Besuch beim Sklavenhändler

Sir Lysingur, der für kurze Zeit die Aufgaben des Sklavenhändlers übernommen und das Slaverhaus in Turmus bezogen hatte, war länger nicht gesehen worden, so dass Amira die Räume freigab und für ihre Zwecke umgestaltete. Sie ließ ihr Wissen über die Ausbildung von Sklaven aus der Oase von Klima einfließen und war schließlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Nun galt es sich Rat zu holen für ihr Zuchtvorhaben.

Amira spürte Sorens Anwesenheit hinter sich und die Blicke der Passanten auf sich, als sie die Stadt durch das Tor betrat, an dem  Soren seinen Bogen zur Aufbewahrung bei den Wachen abgab. Auch ohne Fernwaffe war er eine imposante Erscheinung und obwohl Amira sich vollverschleiert und mit ihrem Umhang aus weißem Larlfell bedeckt hatte, zogen sie als Fremde Aufmerksamkeit auf sich in der belebten Hauptstraße. Kasra hatte sich verändert, aber Amira war weder zu Spionagezwecken angereist, noch in offizieller Mission für Turmus. Nein, ihr Anliegen war ein ganz schlichtes – sie war auf der Suche nach einem größeren Sklavenhaus.

Kasra hatte immer ein großes Sklavenhaus besessen und auch diesmal wurde sie fündig. Links gleich nach dem Stadttor fiel ihr Blick nicht nur auf das Banner der blaugelben Kaste, sondern auch auf eine kleine Menschenansammlung. Sie erkannte Lady Jale, einen ihr unbekannten Rarius der ortsansässigen Kaste und – was noch viel wichtiger war – Sir Tatso. Unverwechselbar mit seinem ergrauten langen Haar und der Augenklappe. Einiges Fußvolk kniete herum, so dass sie zufrieden nickte. Sie hatte das Sklavenhaus ganz ohne Zweifel gefunden.

So trat sie dann heran, verborgen unter ihren Gesichtschleiern und grüßte die anwesenden Freien höflich. Sie vertat auch nicht viel Zeit, sondern kam gleich auf ihr Anliegen zu sprechen, nämlich den Sklavenhändler konsultieren zu wollen. Zu ihrer Überraschung wurde sie von Lady Jale, der Heilerin, erkannt und gab Soren ein unmerkliches Zeichen aufmerksam zu bleiben und vor der Tür zu wachen, während sie mit Tatso dessen Geschäftsräume betrat.

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Nachdem er ihr zu verstehen gegeben hatte, dass er sie an der Stimme erkannt hatte, ließ sie sich von Jana einen Becher Boskmilch bringen und erzählte ihm von ihren Plänen. Er hörte sie ruhig an und fragt dann, ob sie geeignetes Material zur Zucht habe. Sie nickte. Was sie noch brauchte und warum sie hier war, waren allgemeine Ratschläge eines Sachkundigen hinsichtlich der Eignung der Sklaven und der Verpaarung, die man vornehmen sollte. Zwei Kajirae, zwei Kajiri, alle vier als Sklaven in großen und mehr oder weniger renommierten Sklavenhäusern geboren. Es ging ihr nicht um Profit, erklärte Amira ruhig, sondern um eine Art dekadenten Zeitvertreib mit Ergebnissen, die sie stolz machen konnten. Tatso lächelte. Ganz offenbar traf das Thema auf Interesse bei ihm. Um Gewinn zu machen mit einer Sklavenzucht, erklärte er, müsse man die Zucht derart groß aufziehen, dass es ganz sicher den Rahmen des Slaver-Hauses in Turmus sprengen würde. Aber er kündigte an, Amira auf einer seiner nächsten Beschaffungsreisen besuchen zu wollen um ihren Zuchstamm zu begutachten. Das war mehr, als Amira erhofft hatte. Sie hatte vermutet ihre Sklaven zur Begutachtung nach Kasra bringen zu müssen, was deutlichen Aufwand und Kosten bedeutet hätte.

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Sie verabschiedeten sich in gegenseitigem Respekt voneinander und Amira brach auf um in der Bibliothek der Oase der vier Palmen nach Schriften zur Vererbungslehre zu suchen. So wunderbar die Bibliothek auch war – Amira fand nicht das, was sie suchte. Möglicherweise, so vermutete Amira, hielt die Heilerkaste bestimmtes Wissen geheim und machte entsprechende Schriften nicht zugänglich in öffentlichen Bibliotheken. Sie erinnerte sich gut an die Erzählungen ihres Großvaters darüber, dass es auf der Erde detailliertes Wissen darüber gab, wie Krankheiten aber auch gute Merkmale von Eltern an Kinder weitergegeben werden, egal ob Mensch, Sklave oder Tier. Auf der Heimreise dachte Amira angestrengt nach. Mendel…. Auf der Erde wurden diesen Schriften einem Mann namens Mendel zugeschrieben. Aber das würde sie offenbar nicht weiterbringen. Sie musste jemanden aus der Heilerkaste finden, der sich mit Vererbung beschäftige.

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