Ein bißchen Rollenspiel-Theorie und Mutmachen

Wenn ich mir im GaD Gruppenchat so die Probleme ansehen, so scheint mir das Problem von Rollenspiel in SL durchaus auch eine mangelnde Wahrnehmung der Bedürfnisse unterschiedlicher Spielertypen zu sein. Laws* unterscheidet grob sieben Typen von Spielern – er bezieht sich zwar hauptsächlich auf Pen&Paper – aber man kann das, denke ich, sehr gut auf Rollenspiele in SL beziehen:

1. der Powergamer

legt seinen Charakter im Hinblick darauf an, was er erreichen möchte, er spielt gern um und in Machtpositionen

2. der Arschtreter

kämpft gern, also in SL-Gor der Combat-Spieler und überwiegend auf solchen Sims zu finden, auf denen es Raids gibt

3. der Taktiker

der gerne vorausplant

4. der Spezialist

der gern besondere Charaktere spielt, die von der Norm und der breiten Masse abweichen

5. der Schauspieler

dem es um die Ausgestaltung der Rolle geht, möglichst intensiv und glaubhaft

6. der Geschichtenerzähler

dem es um das Wachsen einer guten Geschichte geht

7. der Gelegenheitsspieler

ihm geht es mehr um das Zusammensein mit anderen Spielern, ich nenne ihn den Sozialspieler, da er keinen Handlungsfaden verfolgt, kommt er oft nur gelegentlich und nach Lust und Laune ins RP

Laws nimmt die Unterteilung ohne Bewertung vor, alle kommen ins RP um Spaß zu haben. Wenn man nun gutes RP für alle Beteiligten und alle beteiligten Spieltypen möchte, dann ist wohl zu bedenken, dass alle Spielertypen ihre Befriedigung finden können. Es ist weiterhin zu beachten, dass zum Beispiel der Arschtreter mit großer Lust auf kleine Kloppereien vermutlich nicht sehr gut mit dem Schauspieler kann, der sehr an seinem Char hängt.

Wird man sich der verschiedenen RP-Bedürfnisse bewusst, ist auch klar, dass gegenseitige Rücksichtnahme gefragt ist. Goreanische Städte in SL-Gor, die sich als BTB Region bezeichnen, bieten bisher überwiegend RP für 7, 5, 4 und manchmal auch 6. Die Powergamer und Arschtreter haben sich vor allen Dingen auf den Evolved Sims gesammelt, damit sie nach Herzenslust raiden können. Die Taktiker und die Geschichtenerzähler bleiben oft etwas auf der Strecke bisher, jedenfalls in meiner Wahrnehmung – was am mangelnden Zusammenspiel liegt. Gor-Rollenspiel in Sl hat sich da bisher ziemlich stark gespalten.

Warum erzähle ich das nun alles? Nun, um für mich den laufenden Plot um Del-ka nochmal mit anderen Augen sehen zu können. Wir spielen tatsächlich auch mit Spielern, die ich früher eher gemieden hätte, weil sie mir gegensätzliche Spielertypen sind. Allerdings halte ich es für sinnig, mit weniger Vorbehalt auf Leute zuzugehen, die Interesse zeigen. In jedem Fall bin ich jedoch der Meinung, dass eine sim-übergreifende Sache nicht ohne Spielleitung auskommt. Gerade damit die Bedürfnisse möglichst vieler Spieler befriedigt werden können und niemand zu kurz kommt. Als ausgleichendes Steuer-Element aller Interessen.

Aus dieser Überzeugung heraus gründeten Cato und ich vor einiger Zeit die Plot-Gruppe für beteiligte Sim-Admins. Leider erweist sich die Nutzung dieser Gruppe als schwierig. Viele Spieler in SL sehen eine Art Spielleitung als Bevormundung an, obwohl es letztlich nur um Absprachen geht, damit alle Seiten mit dem, was man spielt, möglichst gut leben können. In der Plot-Gruppe geht es auch um Skizzen für mögliche nächste Schritte und auch um Überlegungen, wie man möglichst alle Spielertypen, die man als Admin so auf der eigenen Sim hat, in die Handlung involvieren kann, damit sich zum einen niemand ausgeschlossen fühlt (die Krieger machen Krieg und wir sind draußen und müssen darben….z.B.) und zum damit zum anderen das RP nicht wirklich begrenzt auf ein paar wenige Spieler abläuft und letztlich der Sim schadet.

Natürlich ist die Gruppe auch ein Instrument um Frustrationen und Ärger möglichst frühzeitig auffangen zu können untereinander. Kommunikation VOR dem Schritt ist im Zweifelsfall sinnvoller als hinterher, wenn das Kind schon im Brunnen liegt. Mögliche Konsequenzen können besprochen werden – was passiert, wenn wir dies und jenes tun, wie könnten die anderen darauf reagieren und können wir damit dann leben?

Unser OOC-Ziel mit dem Del-ka Plot war es, wieder RP auf die Sims zu bringen, das nicht nur für Spielertypen 4, 5 und 7 taugt. Eingebunden werden können aber alle, wenn man mit etwas Geschick vorgeht.

*Robin D. Laws: Robin’s Laws of Good Game Mastering. Steve Jackson Games 2002

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Comments
16 Responses to “Ein bißchen Rollenspiel-Theorie und Mutmachen”
  1. Serena sagt:

    Hallo Nea,
    ich bin immer wieder beeindruckt zu sehen, wieviele Überlegungen und Herzblut von Eurer Seite in das RP einfließen. Doch bevor ich weiter auf Dein Blogpost eingehe erst kurz etwas in eigener Sache:

    Ich möchte mich für mein Verhalten von Vorgestern entschuldigen (lacht leise), das möglicherweise von aussen betrachtet etwas zickig erschien. Ich weiss nicht genau, was los war. Fakt ist, dieser seltsame Anfall von RL Platzangst aufgrund der SL Situation in der Teestube hat mich echt geschockt, normalerweise kenne ich sowas nicht. Also weder SL noch RL.
    Und irgendwie stand ich hernach wohl neben mir. Jedenfalls schaffte ich es kaum dem Chat zu folgen, obwohl der ja nun zwar belebt war aber doch nicht so sehr das man Probleme hätte ihn zu verarbeiten. Ich hoffe, ich habe niemanden durch mein Verhalten brüskiert.

    Und nun zu Herrn Laws und seinen Spielertypen.
    Aye, auch ich finde man kann das recht gut auf Rollenspiel in SL umlegen. Dennoch fürchte ich, das es einen großen Unterschied gibt, beziehungsweise ein bestimmter Spielertyp hier nicht berücksichtigt ist:
    Wenn Laws das mit Blick auf P&P entworfen hat, dann geht er natürlich davon aus das die Beteiligten allesamt einmal grundsätzlich auch Rollenspiel machen wollen, und zwar absichtlich und im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte 😉
    Ich bin davon überzeugt das es im SL RP aber User gibt, die sich bis heute nicht klar gemacht haben, was da eigentlich abläuft und was ein RP ausmacht bzw. kennzeichnet. Was ich damit meine? Lass mich Dir eine Begebenheit schildern die sich vor gar nicht allzulanger Zeit zugetragen hat, das macht es vermutlich am deutlichsten:

    Schauplatz: Ein sehr einsamer Ort auf einer Gor Sim.
    Szene: Zwei Sklaven treffen sich nachdem ihr Leben durch einen Raid bedroht war und sie nach Leben gieren dort, sie sind sich sehr nah, es prickelt, sie sind aufgeputscht, erregt, beschließen miteinander zu schlafen. Niemand kommt normalerweise dort wo sie sich auf der Sim aufhalten vorbei. Ic kann auch niemand wissen das sie dort sind und man kann sie nicht sehen. Die Chance entdeckt zu werden ist gleich Null. Dann taucht ein Spieler auf der auf der Sim eigentlich nur Besucher ist. Zielsicher steuert er die beiden an. Theoretisch und strikt ic betrachtet hätte er nicht mal den Weg dorthin finden können.
    Er emotet ein wenig was und es kommt wie es kommen musste……..was ich selten tue, auch wenn ich sicher jemand bin der durchaus schon mal ein ooc in den Open streut………..ich gehe ooc und unterbreche das Play, mein Spielpartner ebenso.
    Nun mag man anführen das zwei Sklaven die glauben auf Gor intim miteinander sein zu müssen sich des Risiko’s bewusst sein sollten. AAAAAye! Wenn sie es da tun wo sie leicht entdeckt werden oder auch schwer aber halbwegs ic plausibel.
    Der Spieler in diesem Falle hatte aber gar keinen ic Grund dort hinzugehen und hätte wie gesagt den Ort gar nicht finden können ohne die Minimap zu benutzen. That’s the point.

    Als wir ihm klar machten das das was er da spielt eigentlich unsere Chars das Leben kosten könnte, war er völlig verblüfft. Er wiederholte immer und immer wieder wir sollten uns doch bitte nicht aufregen denn es sei doch „nur Gor , nur RP“, das könne man doch nicht ernst nehmen. Er wisse nicht viel über Gor er wolle nur Spass haben. Die Regeln würden ihn eigentlich nicht interessieren. Ich fragte ihn ob er denn auch „Mensch ärgere Dich nicht“ ohne Regeln spielt und wenn ihn jemand „rauswirft“ sein Männlein einfach stehen liesse? Und ob er denke, IRGENDEIN Spiel der Welt käme wirklich ohne Regelwerk aus, und sei es noch so klein?
    Bis zum Ende verstand er nicht um was es uns ging, er tpte sich weg, immte noch eine Weile rum, aber was wir klar machen wollten kam nicht an.

    DAS, Nea, ist ein Typ Spieler den man vermutlich im SL RP gar nicht so selten findet und mit dem Laws nicht gerechnet hat, da keiner so einfach „versehentlich“ zu einem P&P findet wie mancher User zum RP in Second Life. Und solange es solche Spieler gibt, so lange wird es verdammt schwierig sein, bei aller Liebe und bei allen Versuchen jedem gerecht zu werden, eine Gemeinde so zu organisieren das jeder auf seine Kosten kommt.
    Es wird immer Quertreiber geben und User die das RP nicht wirklich verstehen.
    Mögen die Priesterkönige sie nach Amigor schicken! *grinst breit*

    • Isabell sagt:

      Zu deiner Platzangst: ich hab auch den Chat nicht mehr auf die Reihe bekommen und nebenbei noch Telefon gehabt was mich nur ab und zu antworten lies. Ich hab dich schlicht weg überlesen das tut mir leid ich hätte AFK gehen sollen solange.

      Zu den Spielern die du da beschreibst: Ja die wird es immer geben aber die sind nie lange da und als guter Spieler oder Spielerin hat man die meist ganz leicht „ausgespielt“..
      Und ich dachte in AMIGOR wäre alles besser??? *kichert*

      • Serena sagt:

        aye es hätte mir geholfen nachdem ich so verwirrt war, die Umgebung einordnen zu können wenn Du ein Tag getragen hättest. Dennoch war es unnötig von mir das so in die Luft zu baubzen, grins. Ich hab dann auch irgendwie sehr schnell geschlafen nachdem ich off war. Ich war glaub einfach übermüdet.
        War halt einer dieser Tage. Machen wir nen Haken dahinter ….! 🙂

  2. Isabell sagt:

    Ich denke das ihr, du und Cato, das ganz gut geschaft habt bisher alles unter einen Hut zu bringen. Wenn man bedenkt welche Ausmaße der Plot hat und den Zeitraum in dem er schon gespielt wird, wie er sich aufgebaut hat kann man nur sagen das ist eine reife Leistung. Bisher wurden alle die mitmachen wollten offen empfangen und irgendwie in dem Plot untergebracht und selbst das habt ihr hinbekommen, von den Talunas über die bekloppte Schreiberin bis hin zu Piraten und Gesetzlosen ist alles vorhanden und hat einen Platz. Und immer wieder kommen Sims und Spieler hinzu. Was ihr hier geschaffen habt ist schwer zu topen und eure Toleranz gegenüber den verschiedenen Spielertypen gegenüber ist emenz. Ihr habt einfach ein Händchen dafür 🙂
    Man kann nur jedem dem an gutem spannenden und weitreichemden RP gelegen ist raten da mit einzusteigen denn es tut niemanden was….es ist nur rp und eins was noch richtig Spaß macht.
    Von mir beide Daumen hoch für Nea, Cato, Turmus, Del-ka und alle die noch daran beteiligt sind überall in SL-Gor.
    Ihr macht das Wunderbar und lasst euch mal nicht frusten wenns mal etwas entgleist diese Plots haben immer ne gewisse Eigendynamik.

    • Serena sagt:

      Ja Isabell, da stimme ich Dir zu. Wie gesagt, es ist faszinierend was die Beiden da auf die Beine stellen und wieviel Herzblut sie hineingeben.

    • neanarstrom sagt:

      Es sollte auch ein Mutmachen für andere Sims sein heute.
      Wir haben von Anfang an auch mit Kritik leben müssen. Ich gebe zu, an manches gewöhnt man sich, an anderes nicht.
      Aber ich finde halt, dass man immer einen Weg findet.

  3. neanarstrom sagt:

    @serena
    Ich glaube auch, dass wir eine Sorte Menschen im RP nicht berücksichtigt haben, die streng genommen gar keine Spieler sind. Das sind diejenigen, die in ein RP einsteigen, um OOC irgendwelche seltsamen Bedürfnisse zu befriedigen.
    Und ich meine jetzt nicht das Bedürfnis Spaß am RP zu haben, egal in welcher Form. Sowas gibt’s ja auch zu Hauf. OOC beleidigt, schicken sie IC Assassinen oder sonstigen Schwachsinn. Ich glaube darauf kann man auch schwerlich integrierend reagieren.

  4. Gerd sagt:

    Naja es gibt ja auch noch die RPler, die eigentlich keine RPler sind. Das Phänomen gibt es komischerweise aber nur in einer virtuellen Welt. Ich denke da vor allen an die Spieler, die meinen sie machen ein Rollenspiel aber holen sich dabei eher ihre sexuellen Befriedigung. Natürlich gibt es auch beim Sex schöne Arten, von Rollenspiel aber diese Leute gehören in meinen Augen einfach nicht dazu. Im LARP hattest du solche Leute nicht und ich glaube, die wären schnell aus dem Spiel ausgeschlossen worden. In SL sieht man aber leider zu spät, was für ein Gegenüber für ein Mitspieler ist.

    Aber auch der egoistische RPler ist für mich kein geeigneter Rollenspieler. Das Prinzip “ALLES MEIN. MEIN SCHATZ“ auch von mir gern Golom-Komplex genannt, kann ganze Gruppen zerstören.

    Ach und nicht zu vergessen, die RPler, die immer gewinnen müssen. Aber die kenne ich auch aus meiner LARP-Zeit. Mit denen hast du ständig Diskussionen gehabt. Immer hatten andere die Fehler gemacht aber sie nie. Vor allem wenn sie von einem NPC nieder gestreckt wurden.

    Ich könnte noch so einige Spielertypen aufzählen, die in meinen Augen nicht in ein RP, wie GOR, passen.

    Ich muss aber dazu sagen, dass ich zu meiner Anfangszeit, in SL, auch den ersten und zweiten Typ entsprochen habe. Erst mit der Zeit kam ich dahinter, was ich eigentlich da spiele und wie es zu spielen ist. Ich war auch immer einer der ersten, die vorne weg war, wenn es um einen Kampf ging. Ob der Grund logisch war oder nicht, war mir egal. Und danach noch einen kleinen geilen SL-fick, mit BDSM-Elementen drin. Ach und nicht zu vergessen, ich wollte alle Macht die ich bekommen konnte, scheissegal ob erspielt oder durch OOC-gelaber ergaunert. War ich trotzdem mal gefangen genommen worden, hatte ich meine Limits so festgelgt, dass mir da keiner was konnte. Ich war also Superman auf GOR und unverwundbar, da es ja kein Kryptonit auf GOR gibt.

    Heute sehe ich viele Dinge anders und ich habe viel mehr Spaß am Spiel, als früher und es macht auch Laune, sich das ganze zu erspielen und nicht von vorne herein zu besitzen. Interessant ist aber, dass ich in der virtuellen Welt alles das war bzw. aus gelebt habe, was ich im LARP abgelehnt habe. Die Anonymität machts möglich.

    Lange rede, kurzer Sinn: Früher war ich ein großes Arschloch. Heute bin ich ein kleines Arschloch

    • Serena sagt:

      hihi Gerd! Du weisst doch, „das kleine Arschloch“ hat Kultstatus!

      Und ja, meines Erachtens gehört Sex auf Gor dazu, aber er darf nicht der einzige Beweggrund sein Gor zu spielen.
      Manchmal krieg ich die Krise wenn ich mit einer Kajira unterwegs bin weil es nur noch Servieren ist. Wobei man auch das zur Herausforderung erheben kann nach dem tausendsten Serve immer noch einen zu erfinden den es SO noch nicht gab. Ohne dabei die „Regeln“ zu verletzen, auch wenn die ein Onlineismus sind. Wenn ich, der ich ja Crossplayer bin, mit einem freien Mann unterwegs bin, krieg ich wiederum die Krise weil sich manche schon aufregen wenn ich lediglich einer xbeliebigen Kajira am Feuer oder in einer Hall den Hintern begrapsche oder sowas. Entweder rebelliert sie „nur mein Herr darf mich anfassen“ oder aber es kommt ein Krieger der mir erklärt „Finger weg, Meins!“

      Nein, ich will nicht dauernd poppen. Aber es gehört nunmal zu Gor dazu, das die meisten Herren ihre Kajirae und Bonds benutzen liessen von wem auch immer, da diese ganz besondere Bindung rein btb gesehen die grosse Ausnahme war.
      Bisher hatte ich immer Herren die der selben Ansicht waren und mich durchaus verliehen, auch wenn sie teilweise gerne vorher gefragt gewesen wären. Aber ich wäre auch gern gefragt wenn jemand mein Auto benutzen möchte…… 😉
      Dennoch kommt kaum einer auf die Idee meine Kajirae zu benutzen – vermutlich weil sich inzwischen kaum mehr jemand was dabei denkt wenn er einer Sklavin mit Keuchheitsgürtel begegnet. Nur DAS ist m.E. nun wirklich kein Gor.

      Ebensowenig wie Superheroes und ständiges Kämpfen.

    • neanarstrom sagt:

      Grinst. Ein sehr kleines!!!

  5. Mithrandriel sagt:

    Ein ebenso interessanter wie sinn- und wertvoller Post, Nea!
    Jeder, der sich, in welcher Rolle und mit welcher Motivation auch immer, an einem Rollenspiel beteiligt, sollte sich – eher früher wie später – zumindest mit einigen Grundzügen der (Rollen-)Spieltheorie befassen. Und dazu zählt mindestens die Beschäftigung mit den verschiedenen Typen von Rollenspielern. Denn diese Kenntnis ist, und dies kommt in Deinem Post wunderbar zum Ausdruck, zwingend erforderlich, um die Handlungen anderer Spieler einordnen und angemessen darauf eingehen zu können – ganz gleich ob als Mitspieler oder Spielleiter/“Plottreiber“.
    Auch wenn man die Spielerschaft gewiss mit gleichem Anspruch auf Richtigkeit auch anders „clustern“ kann als in die von Laws angeführten sieben Spieler-Archetypen, gehe ich persönlich vor dem Hintergrund einer fast 25jährigen P&P-Rollenspielerfahrung doch weitestgehend konform mit Laws Thesen.

    Für den Bereich des Online-Rollenspiels absolut zutreffend und notwendig finde ich die Ergänzung um den von Serena ins Feld geführten weiteren Archetypen des „Nicht-Rollenspielers“.
    Ihn kennzeichnet – wie von Serena und Nea festgestellt – im wesentlichen, dass er nicht um eines guten Rollenspiels willen an diesem teilnimmt, sondern aus „rollenspielfremden“ Motiven. Für das Gor-RP sind hier meines Erachtens vor allem das Ausleben sexueller Fantasien wie der Spaß an Kämpfen OHNE Interesse an zumindest „einrahmendem“ RP zu nennen. (Ich bitte dies nicht misszuverstehen: es liegt mir fern, diese Motive zu verdammen. Sie haben nur – und das ist der Punkt – nichts mit Rollenspiel im klassischen Sinne zu tun.)
    Zwar mag es gelegentlich vorkommen, dass man einen solchen „Nicht-RPler“ auch in einem P&P-RP oder einem LARP antrifft. (Vor allem seit dem Boom der PC- und Online-RPs ist dies nach meiner Einschätzung vermehrt der Fall.) Doch halten sich solche Leute dort für gewöhnlich nicht lange – einfach weil die Differenzen zu den anderen Spielern zu groß sind.
    Und im Gegensatz zum Online-RP – und darauf will ich hinaus – werden diese Differenzen im P&P oder LARP meist schon nach wenigen Sessions offenkundig und (in der Regel durch Ausscheiden des „Nicht-RPlers“ aus dem RP) gelöst.
    Für den Bereich des Online-RP ergeben sich neben der „Erscheinung des Nicht-RPlers“ einige weitere Besonderheit gegenüber P&P und LARP, allen voran
    – die Tatsache, dass es keinen Spielleiter gibt
    – die Möglichkeit, nach Belieben ins RP ein- und aus diesem wieder auszusteigen
    – die Anonymität der Spielteilnehmer
    Möchte man einer möglichst großen Zahl von Spielteilnehmern (dauerhaft) Spielspaß bieten, ist die richtige spieltechnische Schlussfolgerung aus den Besonderheiten des Online-RPs meines Erachtens, Möglichkeiten der Supervision, der Betrachtung des RP von außen, zu schaffen. Neben situationsbezogenen OOC-Absprachen, ist die Einrichtung einer „Plot-Gruppe“ ein, wie ich finde, hervorragendes Instrument. Auch der GaD-Gruppenchat kann hierzu dienen.
    Es geht bei alledem NICHT darum, das RP zu „zerreden“ oder den Spielverlauf detailliert zu planen – Letzteres wäre bei einem Online-RP ohnehin ein zwangsläufig zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.
    Nein, es geht um genau das, was Nea auf den Punkt bringt: möglichst viele Spielteilnehmer (und in diesem Begriff schließe ich auch die „Nicht-RPler“ ein) so in das Spiel einzubinden, dass sie das erleben können, was wir, so denke ich, alle im Gor-RP suchen: Spielspaß und eine Auszeit vom RL-Alltag.

  6. ganzbaf sagt:

    danke für diesen tollen beitrag, zumal er nicht nur gor betrifft, sondern auch andere rollenspiele. 🙂
    ich denke, es ist sehr schwer, für alle spieler ein befriedigendes rp hinzubekommen. auf jeden fall gehört sehr viel geduld und entgegenkommen der jeweiligen spielertypen dazu. eine spielleitung macht sicher sinn, aber sie muss sich gewahr sein, dass es sturm geben kann, bis hin, dass sich eine rp-gesellschaft auflöst. das habe ich bei einem p&p im rl erleben müssen. damit meine ich, im grunde muss jedem klar sein, dass mal spielerkategorie x den kürzeren zieht und dann eben mal die kategorie y.

    • neanarstrom sagt:

      Oder dass zumindest Spieler ausscheiden, ja. Allen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.
      Aber was Serena sagt, ist wirklich ein Punkt, den man in einer Pen&Paper Runde so nicht hätte – Leute, die da reinstolpern und eigentlich kein RP wollen, sondern sich selbst feiern um jeden Preis.
      Das führt mich aber zurück zu meiner Ansicht, dass im Rollenspiel Social Skills nicht nur gefragt sind, sondern auch trainiert werden bis zum Umfallen. Denn – und da glaube ich Gerd einfach mal – das sind Dinge, die sich mit etwas gutem Willen auch erlernen lassen.

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  1. […] Nea nun fand eine modernere Veröffentlichung von Robin D. Laws zu demselben Thema, die noch differenzierter und interessanter ist. Im Grunde liefert sie noch ein besseres Gedankenmodell, wer so alles in Rollenspielen unterwegs ist, und warum sich einfach manche besser gegenseitig aus dem Weg gehen sollten und es auch tun. […]



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