Act well your part; there all the honour lies.

Das Bühnenbild zur zweiten Szene stand bereits und die Schauspieler standen geduldig still, während die Schneiderin zum letzten Mal Hand an die Kostüme legte. Laertes war in Amiras Armen eingeschlafen, während sie oben in der Loge auf ihrem kurulischen Stuhl saß und dem Treiben unten zusah. Cato selbst war kurz zur Probe erschienen und war mit einem Lachen im Gesicht dann wieder in den Palast entschwunden. Der Stückeschreiber hatte ganze Arbeit geleistet und sich als Meister der Spitzzüngigkeit bewiesen. Amira fragte sich zuweilen im Stillen, wie wohl Spott- und Hohnlieder über Cato und sie aussehen mochten und wusste, dass jeder, der dem hohen Treiben der Politik verfallen war, wohl genügend Stoff und Charakterschwäche für eine Komödie zu bieten vermochte. Sie schmunzelte. Solange die Menschen Theaterstücke und Lieder über einen verfassten, war man immerhin wichtig genug, die Schadenfreude anderer auf sich zu ziehen.

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Während Amira sich zugunsten der schönen Künste vom Hafentreiben ein wenig zurückgezogen hatte, begannen die ersten Amtstage des neu gewählten Hafenrates. Lady Gwenda, die schöne Bäckerin, hatte es mit ihrem Wahlkampf geschafft, sich zur Vorsitzenden wählen zu lassen. Fortan ging sie unter lauter Hochkastigen in der Hafenmeisterei ein und aus und versuchte sich einen Überblick über die politische Lage von Turmus zu verschaffen. Amira fragte sich, ob sie deshalb in letzter Zeit so blass aussah. Ein öffentliches Amt war nicht immer angenehm. Es zog viel Arbeit und noch mehr Kritiker nach sich, die einem das Leben schwer machen konnten.

Cato hatte ihr berichtet, dass die Alarmbereitschaft in der Brigade nicht aufgehoben war, solange nicht klar war, ob sich noch feindliche Truppen in der Vosk-Region befanden. Die Legion war offenbar ins Delta abgewandert, zumindest besagten dies die Gerüchte. Sumpftharlarions und die Rencer würden dort sicher für keinen angenehmen Aufenthalt sorgen. Es würde schwer sein, die einst im Delta gescheiterten Männer der Brigade dorthin zu führen. Also beschränkte man sich vorerst auf das Ausfindigmachen des neuen Standortes und dem Einholen von Informationen. Diese Aufgabe hatte Cato Isabell angetragen. Isabell hörte man des öfteren noch von einem Bündnis mit Kasra träumen. Amira hielt diesen Weg für aussichtslos.

Lady Mithandriel indes war unterwegs um ihre alten Kontakte zu Söldnergruppen aufzunehmen.

Eine Reise nach Jorts Fähre stand bevor. Neben der wichtigen politischen Frage nach der unerlaubten Invasion galt es auch das Verhältnis der Städte warm zu halten. Die Einweihung des Theaters kam da gerade recht. Es gab ein paar Pointen in dem Stück, über die man in Jorts wohl genauso herzlich lachen konnte wie in Turmus.

Amira stand vorsichtig auf und trug Laertes die steinernen Stufen hinunter. Es war ein weiter Weg vom Theater am Rande der Stadt bis hinunter an den Hafen. Sie wohnten immer noch in dem zweistöckigen schlichten Haus. Amira hatte die Räume im Palast angesehen. Hallenartige Säle voll kühlem Stein und ohne Behaglichkeit. Solange es ging, wollte sie Cato und den Rat hinhalten. Sie erschauerte bei dem Gedanken daran, dass ihre Kinder in diesem Monument großwerden sollten. Selbst eine große Feuerstelle konnte in den Hallen des Palastes keine Geborgenheit erzeugen. So besuchte sie Cato, wenn er im Palast arbeitete, aber ein Gefühl von Zuhause entwickelte sie dort nicht.

Amira dachte nach. Als Kind hatte sie viel Zeit neben ihren tagfüllenden Unterrichtsstunden in der Küche verbracht. Für sie was das immer der schönste Platz in der Stadt der Stadt der Türme gewesen, wo ihre Eltern eine geräumige Stadtvilla bewohnten mit dem Handelskontor ihres Vaters nebenan. Die Topfsklavin war weich und dick gewesen und so viele glückliche Stunden hatten sie am Busen dieses Mädchens verbracht, das auch ihre Amme gewesen war. Später dann hatte sie immer eine Leckerei bekommen und wenn ihre Mutter nicht genau hinsah, hatte Amira beim Kochen helfen dürfen. Laertes Kopf ruhte auf ihrer Schulter, an den Augenlidern konnte sie seine winzigen Äderchen erkennen und der Mund war weich und entspannt, während er friedlich schlief. Die Dunkelheit war bereits über Turmus hereingebrochen. Allmählich verebbte das rege Treiben in den Gassen der Stadt und die Schatten zwischen den Häuserzeilen wurden dunkler und ihr Sohn schwerer in ihren müden Armen.

Rasch nach Hause. Für den morgigen zweiten Tag der Hand musste sie ausgeschlafen sein. Brom und Gwenda würden gemeinsam auf den Heimstein schwören.

***

für interessierte Besucher, Bewohner und Bürger: Der Heimsteinschwur findet morgen, am Dienstag um 21.00 Uhr statt. TP wieder über das Stadttor nach oben. Diesmal nicht im Palast, sondern im neuen Theater.

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Comments
2 Responses to “Act well your part; there all the honour lies.”
  1. Gwenda sagt:

    Wow sehr schön geschrieben…ich bin gespannt was sich daraus alles für Fäden ziehen lassen aber ich denke alles wird ein wenig für Gesprächsstoff sorgen….
    Ich freue mich schon auf morgen und vielleicht hab ich ja noch ne Idee, was ich meinem Heimsteinschwur kundtun kann….mal sehen ob ich das hinbekomm wie ich das denke *grinst

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