Cato greift durch

Shamoni war ganz offenbar in Hektik. In der Teestube war viel Betrieb und jeder hatte einen Wunsch. Zuletzt kam Cato dazu und orderte eine Portion gegrillte Flussschnecken, die noch im Eimer waren und gepult werden mussten. So eilte die dralle Dunkelhäutige zwischen Teestube und Küche hin und her und irgendwann muss sie wohl den Überblick verloren haben.

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Amira bekam gar nicht so recht mit, was eigentlich vor sich ging, denn ihr Blick ruhte auf Cato, der ihr gegenüber saß in seiner neuen Administratorenrobe. Er hatte sich von seinem edlen dunklen Blau nicht ganz trennen können, aber immerhin waren Schärpe und Umhang nun braun. Und entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten gehörte zur Robe nun ein eleganter, langer Rock. Während Amira zu Anfang noch Zweifel gehabt hatte, dass ihr Gefährte die Rolle ausfüllen konnte – was Anlass zu zahlreichen Streitgesprächen gegeben hatte, bevor Amira dann wegen ihres fatalen Fehltritts bestraft worden war – schien Cato nun die so dringend erhoffte Wandlung durchgemacht zu haben. Die Robe war nur das äußere Zeichen einer inneren Erstarkung.

Shamoni stellte dem Administrator seinen Teller hin und ein Duft von Tospitsaft drang in Amiras Nase. Cato – ins Gespräch mit dem jungen Auronius und Sir Brom vertieft – griff sich eine der Schnecken und führte sie zum Mund um sie nur eine Ihn später wieder….auszuspucken. Angeekelt packte er Shamonie beim Zopf und die Aufmerksamkeit der Anwesenden bündelte sich sofort auf die entsetzte Stadtkajira. „Roh! Du servierst mir rohe Schnecken?!“

Shamonis Augen weiteten sich in Angst und Schrecken. Aber zu spät. Der Fehler war getan. Cato ließ sie los, stellt ihr wortlos den Teller hin und befahl ihr nach einigen Ihn die ganze Portion roher Schnecken zu essen. Den Anwesenden drehte sich schon beim Gedanken an das nun Folgende der Magen um. Kaum jemand mochte die Flussschnecken gebraten essen, geschweige denn roh und somit noch lebend. Das bißchen Tospitsaft hatte die schleimigen Dinger aus dem Vosk jedenfalls sicher nicht umgebracht. Mit viel Mühe würgte Shamoni eine herunter und sah dann mit herzerweichendem Blick zum Administrator hoch. Der aber schüttelte den Kopf. Amira sah ihren Gefährten an in einer Mischung aus Überraschung und Anerkennung. Shamoni würde sie alle essen müssen. Egal, wie sehr sie sich ekelte.

Da Amira sah wie Shamoni sich quälte ging sie leise zu Cato und bat ihn flüsternd um Gnade für das Mädchen. Cato aber blieb hart. Mehr als das, er fragte Amira vor den beiden anwesenden Kriegern, ob sie bereit sei Shamonis Strafe zu übernehmen. Wortlos schüttelte Amira den Kopf und setzte sich wieder. Respektvoll sah sie zu ihrem Gefährten rüber und senkte dann verunsichert den Kopf, als er Shamoni erneut zum Essen aufforderte.

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Stück für Stück – es schien allen eine wahre Ewigkeit zu dauern – würgte Shamoni mit Müh und Not hinunter, bis endlich der Teller leer war und ihre Gesichtsfarbe einen Grünton angenommen hatte, während ihr die Tränen über die Wangen rannen. Als Cato zufrieden nickte, stürzte sie vor die Tür und übergab sich. Den Priesterkönigen sei Dank, so dachte Amira, hatte Cato das nicht mitbekommen, weil er mit dem Rücken zur Tür saß und Shamoni wiederum hatte nicht mitbekommen, dass er ihr beim Aufstehen verkündete, dass sie alles nochmal essen würde, was sie auszuspucken wagte.

Es schien Amira, als habe ihr Gefährte seinen Weg gefunden. Alle ihre Bedenken und Zweifel lösten sich in Luft auf. Wenn Cato den Raum betrat, erhoben sich die versammelten Menschen respektvoll. Wenn er sprach, schwiegen alle anderen. Wenn er Anweisungen gab, wurden sie befolgt.

Cato war der Administrator von Turmus. Sein Wort war Gesetz.

Amira ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Cato auch andere Dinge angegangen war, die sich wie ein geflüstertes Gerücht und eine stumme Drohnung nach Turmus geschlichen hatten.  Er hatte sich entschlossen Bedrohungen auszumerzen, bevor sie sich zu voller Größe entfalten konnten.

Auronius, der junge Rekrut der Brigade, verabschiedete sich mit vollem Bauch aus der Teestube. Amira hatte den jungen Mann erst zwei Ahn zuvor auf Anweisung von Sir Gerd hin ins Register aufgenommen und ihm ein Bett in der Festung zugewiesen. Gerade mal 64 Märkte war der junge Mann alt und er stammte aus Ar. Sein Vater, Krieger der roten Kaste, hatte sich im Widerstand betätigt und war dort gefallen. Nun wollte er sein Erbe antreten und sich der Brigade anschließen. Aber erst, so hatte Gerd ihm versichert, musste er sich das Scharlachrot seiner Kaste verdienen. Danach, so der übermütige Rekrut, wolle er zuerst Tarnkrieger und dann Ubar werden.

Amira schmunzelte. Ehrgeiz war eine wertvolle Eigenschaft. Auch wenn sie in dem jungen Mann noch keinen Ubar erkennen konnte,  so war sie doch gerührt von seinen Ambitionen.

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Comments
7 Responses to “Cato greift durch”
  1. onolisicious sagt:

    „gehörte zur Robe nun ein eleganter, langer Rock [..]“

    hmpf!

  2. Mith sagt:

    Neben zahlreichen Fähigkeiten, Charakterzügen und Verhaltensweisen, die einen goreanischen autoritären Herrscher auszeichnen, hat Cato nun bereits wiederholt ein Händchen für perfide Bestrafungspraktiken bewiesen. Wenn er diesen Weg konsequent weitergeht, wird der feurige Nero irgendwann wie ein Aspirant für den Friedensnobelpreis anmuten gegen ihn… 😉
    Und im Ideenwettbewerb um die physisch minimal brutalste, dafür psychologisch maximal demütigendste Strafe hat Cato das schier endlose Heer der stur die Kurt schwingenden Sklavenherren schon so gut wie abgehängt 😉

  3. Adira Spingflower sagt:

    Alleine schon wenn ich von den Schnecken lese dreht sich mit der Magen um. ihhhh…
    Aber bei Cato habt ihr Recht… Also Amira…. Das Outfit ist toll und sein auftreten man man man…. Immer ein Gespräch wert und ich bin froh das ich nie diejenige bin welche Mist baut gg*
    Aber Mith hast Recht Cato scheint seine Anwendungen der Strafe zu perfektionieren… Gefällt mir. * grinst

    • Serena sagt:

      haha Adira, Du wirst schon beim Lesen grün? Meine Shamoni hat es gespielt! grins. Und ich muss sagen, jeder zweite Gedanke in meinem Kopf war, während ich meine Schneckenemotes überlegte „Gottseidank, es ist nur ic!“……..
      Ich muss aber sagen es hat auch Spass gemacht das zu spielen, denn meine Sklavenrollen haben sich nie dadurch ausgezeichnet das ich gern ein Prinzesschen wäre. Ich bin in der Rolle ganz klar dankbar für jeden Herrn der weiss, was er will.
      Meine Shamoni hat gelitten wie Hund, aber sie liebt Cato nun ohne Ende dafür das er konsequent war. Und als Nebeneffekt liebt sie Amira um so mehr, weil die versucht hat es ihr zu erleichtern und Herz zeigte.
      Hail Turmus, schmunzel.
      Leider hat ein Baggerführer einen Ort weiter es geschafft an einer Baustelle das Telekomkabel mal eben locker in zwei Hälften zu spalten weswegen nun mein ganzer Ort ohne Tel und INternet ist. Und nur die Priesterkönige wissen, wann die Männer unter dem Zeltchen mit den magentafarbenen Strichlein es wieder gerichtet haben.
      Also Amira, weisst bescheid. Shamoni kommt sobald die PK es wieder zulassen 😉

      • neanarstrom sagt:

        Oh no. Das ist aber echt kein Spaß, so ohne Verbindung, ne?
        Ich drück dir auf jeden Fall die Daumen, dass du Shamoni bald wieder bei uns ist.

      • Serena sagt:

        Nee Spass ist anders. Inzwischen geht es wieder, danke für die Daumen. Heute hab ich lange zu arbeiten, da kann es sein ich bin zu platt. Aber spätestens morgen schlag ich wieder in Turmus auf 🙂

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