Feind über Turmus!

Amira war im Gespräch mit Isabell, als sie das schwere Schlagen von Schwingen wahrnahm. Sofort schlug ihr Herz schneller und ihr Verstand durchforstete ihre Erinnerungen nach dem Geräusch, das ihr Schauer über den Rücken jagte. Tarns! Das war das Geräusch von fliegenden Tarns!

Sie hob den Blick Richtung Himmel und da sah sie die großen Vögel in ihrer schrecklichen Pracht auch schon über dem Hafenbecken kreisen. Noch während sie ihren Mund öffnete und etwas rufen wollte, ging bereits das Geschrei los. Die Hafenbewohner eilten auf das nächsbeste Haus zu, Frauen zerrten Kinder hinter sich her oder trugen sie auf dem Arm, in der Eile gingen Marktstände zu Boden und der Inhalt von Warenkisten wurde in Panik zertrampelt.

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„Komm, Amira, ins Haus!“, rief nun auch Isabell. Das Geräusch von Schwingen schien näher zu kommen, ein Schatten glitt über sie hinweg und wie paralysiert vor Schreck erblickte Amira das Wappen von Kasra am ledernen Sattelgurt des Tarns. Der Alarm schallte über den Hafen und die Krieger der Brigade eilten aus der Festung, während die Stadtwache versuchte Ordnung in das Chaos einer panischen Bevölkerungsmasse zu bringen. Überall hörte Amira das angstvolle Geschrei von Kindern und die lauten befehlsgewohnten Stimmen der roten Kaste. Alles in ihrem Kopf stand still.
Dann gab ihr jemand Vorbeieilendes einen Stoß und sie setzte wich wieder in Gang, so schnell es die Roben zuließ. Nach Hause! Greta war mit den Kindern allein! Wo war Cato? War er in Sicherheit?

Als die Tarns sich wieder entfernten, hatten Amira bereits die Hand auf der Türklinke. Im Haus hörte sie Greta für die Kinder singen, Laertes Stimmchen fiel ab und zu mit ein, keine Angst war darin zu vernehmen, nur in Gretas Tönen nahm sie ein leises Zittern war.

„Die Monde aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar…“

Als sie die Tür aufschieben wollte, war diese von innen verbarrikadiert. Durch den Spalt hinweg sah sie die Amme vor dem Küchenfeuer sitzen. Beide Zwillinge lagen dicht bei ihr in einem Korb und sie hatte Laertes auf ihren Sch0ß gezogen und schirmte ihn vom Fenster ab, damit er nichts mitbekam.

„Wie ist die Welt so stille und in der Dämm´rung Hülle so traulich und so hold…“

„Greta, öffne. Ich bin’s!“, befahl Amira während ihr Blick der Tarnstaffel folgte, die Richtung Insel flog, die dem Hafen vorgelagert war. Wohin flogen sie? Hatte Kasra eine Basis am Vosk eingerichtet? War das die Antwort auf den Übergriff auf den kasratischen Kommandanten? Oder war es die Antwort auf die Botschaft, die Cato der merkwürdigen hellblonden Kajira auszurichten befohlen hatte?

Amira hörte Greta zur Tür kommen, Kisten und kleine Truhen wegschieben und dann schließlich spürt sie Laertes kleine warme Arme um ihre Hüften, als die Tür geöffnet wurde. Sie strich ihm sanft über das Haar, das er genauso kurzgeschoren trug wie sein Vater und nickte Greta anerkennend zu.

„Ich muss zur Hafenmeisterei, Greta. Die Tarns sind wieder verschwunden, aber die Menschen haben Angst. Ich muss sehen, ob ich helfen kann. Wenn Cato heimkommt, sag deinem Herrn wo er mich finden kann.“

Sie gab Laertes eine Kuss auf die Stirn und lächelte über das friedliche kreisrunde Gesicht, das immer noch Babyspeck zeigte, obwohl sie längst mit seiner Ausbildung begonnen hatte. Spielerisch zwar, aber dennoch ihrem Plan folgend. Amira war nicht die Frau, die die geistige Entwicklung ihres Sohnes dem Zufall überließ.

Als Amira Richtung Hafenmeisterei kam, hatte sich bereits ein Menschenauflauf gebildet. Aufgeregte Stimmen erklangen.

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Die wildestens Spekulationen waren im Gange. Offenbar war nichts gestohlen und niemand entführt worden. Die Tarnreiter waren so schnell wieder abgezogen wie sie aufgetaucht waren. Eine Warnung, so hieß es. Oder eine erste Spähtruppe. Einige Stimmen klangen panisch, andere wütend. Amira versuchte ein wenig Ruhe zu verströmen, aber sie zitterte selbst am ganzen Leib. Sie dachte an Luc und wie er war, wenn er wütend war. Als Brom sie beiseite bat, musste sie sich erst sammeln um ihm antworten zu können.

Die Gefährtenschaft! Amira hatte ihre Verabredung über den ganzen Tumult fast vergessen. Aber offenbar war der Krieger nicht gewillt, seine Gefährtenschaft mit der Bäckerin einen Tag aufzuschieben, so dass Amira sich noch zehn Ehn für die Vorbereitung erbat. Mit raschen Schritten verschwand sie in ihrem Amtssaal und suchte mit fliegenden Händen nach dem vorbereiteten Vertrag.

Auch nach dem Serum hatte Brom gefragt. Amira verwahrte die zweite Phiole sicher in ihrem Tresor. Er wollte sie einsetzen, sobald man einen Verdächtigen am Tode des alten Administrators gefunden hatte. Amira zog schließlich den richtigen Vertrag hervor und trug den Wein der Liebe zu ihrem Zeremonientisch rüber. So unvorbereitet hatte sie noch nie zuvor zwei Menschen miteinander verbunden, aber es würde schon irgendwie gehen.

Schließlich rief sie Brom und Gwenda herein und begann zu sprechen. Wie von selbst kamen die wohl gesetzten Worte über ihre Lippen und schließlich gelang es ihr, das Gefühl von Grauen zu vergessen und die Hafenmeisterei mit Feierlichkeit zu erfüllen. War es nicht gerade in Zeiten des Schreckens wichtig, den Menschen ein Gefühl von Hoffnung, Beständigkeit und Zugehörigkeit zu vermitteln?

Als Amira in Gwendas strahlende Augen blickte, als Brom ihr den Kelch an ihre Lippen führte, beruhigte sich Amira wieder. Turmus und seine Bewohner würden bestehen. Notfalls würde sie bis zum letzten Atemzug dafür kämpfen.

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***
My first impression vas that of a rush of wind and a great snapping sound, as if a giant might be snapping an enormous towel or scarf; then I was cowering, awestricken, in a great winged shadow, and an immense tarn, his talons extended like gigantic steel hooks, his wings sputtering fiercely in the air, hung above me, motionless except for the beating of his wings.

(Tarnsman of Gor)

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