Nykus, der Sieg

Amira hatte um diese Uhrzeit nicht wirklich bereits mit Menschen gerechnet, als sie bei Sonnenaufgang Richtung Hafenmeisterei lief. Die Nacht war eine unruhige gewesen, nicht zuletzt wegen der Auseinandersetzung mit Isabell, von der Cato ihr spät noch Details berichtet hatte. Der Pascha war weise genug, um Isabells hitzige Worte richtig einordnen zu können, davon war Amira überzeugt. Aber der in der Stadt wandelnde Assassine ließ sie kein Auge zutun. Sicher, er war nicht hier, um ihr etwas zu tun, aber er verlangte Antworten und Informationen.

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Und nun lief sie fast in Sir Rannug hinein, der vor der Hafenmeisterei bereits auf sie zu warten schien. Dunkle Ringe zeichneten sich unter seinen Augen ab und seine Bewegungen wirkten fahrig. Amira winkte ihn kurzerhand mit sich in die Teestube. Er werde bald aufbrechen, so sagte er, seine Gefährtin sei ihm entflohen und offenbar mit dem Vorsatz ihm sein Kind zu entreißen, das sie noch unterm Herzen trug. Amira sah Rannug mit schreckgeweiteten Augen an. „Meona ist…gegangen?! Aber warum denn das nun schon wieder?“ Eigentlich war sie in der Lage sich die Antwort selbst zu geben. Sie kannte Meona und ihre Eskapaden. In diesem Fall war zu vermuten, dass Meona sich für ihren alten Freund und Verräter Sir Lucius entschieden hatte. Wie damals, als sie mit einer Gruppe marodierender Gesetzloser umherzog, hatte ihr Verstand sie offenbar gänzlich im Stich gelassen. Amira suchte nach tröstenden Worten, aber sie fand keine. „Das tut mir leid, Sir Rannug. Aber ist es die Suche wirklich wert? Sie kann sich dem nächstbesten unterwerfen und eurer Kind kommt als Sklave zur Welt. Wenn ihr sie findet, was gedenkt ihr zu tun?“

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Rannug wirkte finster und entschlossen. Als nächstes wollte er nach Kasra reisen, was Amira ein sorgenvolles Seufzen entlockte. Aber einen Mann im Rausch der Leidenschaft vermag ohnehin niemand aufzuhalten. So entschwand er wieder, nachdem er eine Suchmeldung ausgehängt und darum gebeten hatte, Meona festsetzen zu lassen, wenn sie auftauchen sollte. Zurück blieb die arme Tara, einsam und verlassen, die sich um sein Kontor kümmern sollte.

Als Rannug fort war, fielen nach und nach die ersten Gäste aus der Oase von Klima aus ihren Fellen. Interessanterweise Askyr zuerst, obwohl der wohl am längsten die Freuden der Taverne genutzt hatte, wie Chrysa erzählt hatte. Für heute hatte Amira zur Zerstreuung der Gesandschaft ein Picknick im Wald geplant, nachdem kriegswichtige Dinge besprochen waren. Mit Feuerschalen, warmen Decken und allerhand Körben mit Getränken und Leckereien bewaffnet, zog die kleine Karawane durch den dichten Wald von Turmus hin zu dem Platz, der bereits vorbereitet worden war.  Cato hatte Isabell erlaubt mitzukommen, solange sie sich zu benehmen wusste. Die Schriftgelehrte war im Vergleich zu sonst sehr schweigsam, ob Reue der Anlass war, vermochte Amira noch nicht zu beurteilen. Für ein Gespräch war noch keine Zeit gewesen.

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Die Stimmung war ausgelassen. Der Kalana aus Jorts Fähre floss in Mengen die Kehlen hinunter und die Kajirae sahen zu, dass kein Kelch lange trocken blieb. Die Lichtung war windgeschützt und ideal für Versammlungen wie diese. Trinksprüche auf Turmus, auf die Oase von Klima sowie alle Verbündeten von Turmus wurden ausgebracht und schließlich gewährte Cato dem Pascha von Klima die Ehre, für eines der Tarnschiffe einen Namen zu wählen.

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Der Pascha nickte bedächtig und erbat sich Bedenkzeit für diese so ehrenvolle Aufgabe. Es war Amira, die auf die Idee kam, dass die Kajirae ein wenig für sie tanzen könnten, sittlich genug, versteht sich, damit die anwesenden Frauen nicht zu tief berührt würden. Während Bantha sich umzog, um ihrer Bitte und dem Befehl ihres Herrn zu entsprechen, berichtete der Pascha, dass in Landa nun ein Ubar ausgerufen worden war, weil die Stadt sich immerwährenden Angriffen ausgesetzt sah, unter anderem durch cosische Truppen. Die Männer nickten und man beschloss sehr einstimmig, dass ein Bote dorthin geschickt werden sollte um Unterstützung anzubieten.

Den Rest des Abends gestalteten die Kajirae. Bantha wirbelte sich in zwei Tänzen, die jeweils eine ganz andere Geschichte erzählten, in die Herzen der Freien und Amira verspürte von Zeit zu Zeit einen Stich in ihrem Herzen, als sie Catos Blick wie gebannt auf der so freimütig zur Schau gestellten Schönheit der Kajira ruhen sah. Sie hatte ihre Hand in die seine geschoben, verstohlen, unbemerkt von den Blicken der anderen und er umfing sie in der seinen, stark und fest, wie immer.

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Im Anschluss an die Tänze schlug Isabell eine Runde goreanische Scharade vor und ließ Vulo, die, wie anerkennend festgetellt wurde, mit einigem schauspielerischen Talent gesegnet war, prominante Goreaner nachmachen, die die Anwesenden dann erraten sollten. Das Gelächter, das nun erklang, war vermutlich so laut, dass feindliche Truppen die kleine Versammlung vermutlich bis weit über den Vosk hätten lokalisieren können, insbesondere als Vulo sich ein Kissen als Turban auf den Kopf legte, und wichtigtuerisch als Emir der Oase der vier Palmen umherzstolzierte, der seine Augen beständig auf die Röcke von Kajrae heftete.

Als es dann Zeit wurde, die Häuser aufzusuchen, waren Amiras Wangen nicht nur vom vielen Kalana gerötet, sondern auch vor Freude. Cato erinnerte sie an die Ahn, die sie sich heute früh versprochen hatten, eine Ahn nur zu zweit. Sie entkleideten sich und legten sich gemeinsam in die Badewanne, wo Amira selig in seinen Armen einschlief, nachdem sie sich geliebt hatten. Bis er sie weckte und sie behutsam ins Bett verfrachtete.

„Nykus“, flüsterte sie noch schlaftrunken. „Aye“, sagte er sanft, „es bedeutet der Sieg. So soll das Schiff heißen, hat der Pascha gesagt.“

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