Fair is foul, and foul is fair

Nach dem Brandanschlag auf das neue Gebäude der Hafenmeisterei waren die Ermittlungen gegen den oder die möglichen Täter im vollen Gange. Nur der Geistesgegenwart eines neuen Kriegers, der mit Amira in der Hafenmeisterei gesessen und sich über die Brigade und das Wirken von Del-ka unterhalten hatte, war es zu verdanken, dass die Flammen von der Hafenfeuerwache schnelll gelöscht und nur ein Sachschaden entstanden war.

lunius_001

Wände mussten neu verputzt werden. Einer der Balken wurde ersetzt, da die Flammen ihm zuviel seiner Tragkraft genommen hatten. Amira war unversehrt, aber dennoch in Aufruhr. Galt der Anschlag dem Gebäude? Oder ihr? Oder Cato? Noch hatte der Aufruf nach Zeugen und Hinweisen und die ausgeschriebene Belohnung von 20 Silber keine Wirkung gezeigt. Man tappte im Dunkeln.

cato_001

Amira saß in Catos Amtszimmer, ihm gegenüber auf dem Stuhl. Cato trug noch seine Reisekleidung aus Belnend. Er hatte dort ihren Hausstand aufgelöst und mit Lady Nici über die neuesten Entwicklungen in Turmus gesprochen. Nach dem Heimsteinschwur war Cato nun erster Schreiber von Turmus und hatte damit über einen offiziellen Sitz direkten Einfluss auf den Hohen Rat. Für Amira war Catos Heimsteinschwur ein Moment des Glücks, denn sie hatten nun wieder ein Zuhause. Ihre Kinder, Laertes, Dionyza und Helena würden Bürger von Turmus sein. Cato aber wirkte aufgewühlt an diesem Tag und seine Augen schienen zu flackern, als er erneut seinen Unmut darüber kundtat, dass der Administrator sich nun öfter am Hafen zeige und versuche sich bei den Kriegern der Brigade anzubiedern. Amira sah Cato verwirrt an: „Nun. Ich finde was er tut ist durchaus natürlich. Darf ich erfahren, was du planst….mit ihm… oder sagen wir besser…gegen ihn?“

flotte_019
Cato seufzte „Ich weiss es nicht, der Mann ist unfähig Amira.. er ist einer dieser Speichellecker, von denen ich sprach.“
Amira ließ Catos Worte auf sich wirken und sagte dann vorsichtig „Er hat Del-ka protegiert, Cato. Er weiß, was wir hier tun.Was verleitet dich zu der Annahme, dass er einen Richtungswechsel vornehmen wird?“
Cato sah sie nun direkt an und etwas Fremdes lag in seinem Blick. „Nichts, er ist mir einfach ein Dorn im Auge und im Weg.“
Amira erschauerte nun leicht und flüsterte die Worte, die ihr kaum über die Lippen wollten. „Du willst ihn aus dem Weg haben? Cato nickt mit einem schiefen Grinsen im Gesicht. „Vielleicht hat er einen Unfall, oder er fällt bei der nächsten Übung aus dem Boot.. was weiß ich. Nur solange er Administrator hier ist, kann ich es nicht werden.. “
Amira fröstelte mit einem Mal und legte die Finger fest um die Armlehnen des Stuhl. Wieder versagte fast ihre Stimme, als sie anhob etwas zu sagen, aber schließlich brachte sie es mit Mühe dennoch hervor.  „Ich werde dich auch darin unterstützen, Cato.“
Ihrem Gefährten war indes ihr Zögern nicht entgangen. Er musterte sie prüfend „Du heisst mein Vorgehen nicht gut meine Gefährtin? Denkst du ich mache so etwas gerne?“
Sie richtete  sich nun gerade auf in dem Versuch mit dem Körper auch mehr Spannung und Kraft in ihr Denken zu bringen, denn war es mehr ein Stammeln, das sie ihm entgegenzusetzen vermochte. „Ich …er…hat nichts Falsches getan, Cato. Er ist nur der falsche Mann an diesem Ort. Ich verstehe das. Es muss wohl sein.“ Als müsse sie sich vor seinem prüfenden Blick in Sicherheit bringen, stand sie nun auf und ging zum Tisch neben dem Bücherschrank um sich einen Kelch von seinem Kalana einzuschenken. Dann nach diesem kurzen Moment des Bedenkens setzte sie sich wieder und sah ihn offen an. „Was hast du geplant? Ich gehe davon aus, dass du seinen Tod nicht dem Zufall überlassen willst.“

Amira ließ den guten Kalana auf ihrer Zunge zerfließen, aber er schmeckte bitter, schien sie fast zu ersticken, als Cato nun zu sprechen begann. Ihr war, als würde ein eisiger Wind durch den Raum fahren und die Fenster leise klirren lassen. Etwas Kühles drang ihr ins Herz, während sie Cato ansah. Unwillkürlich fasste sie mit ihrer Hand dorthin, als müsse sich wärmen. Catos Plan war ganz offensichtlich nicht erst in den letzten Tagen gereift. Er hatte sehr genaue Vorstellungen und Amira wusste, dass die Tage des Administrators von Turmus gezählt waren. Sie nahm noch einen großen Schluck Kalana und erhob sich dann um ans Fenster zu treten und Richtung Stadt zu sehen.

„Wir töten einen Mann, der nicht annähernd so ein Schuft ist wie Gar, Cato. Ich weiß nicht, ob die Priesterkönige so etwas gut heißen, ich weiß nicht…ob es nicht Unsegen über unser ganzes Handeln bringt.“
Cato sah sie scharf an. „Was dann? Darauf warten, dass er von alleine abtritt? Das kann noch Jahre dauern Amira.. er hängt an seinem Posten und an dem bisschen Macht.. er wird nicht zurücktreten. Außerdem muss man in solchen Positionen damit rechnen Amira.. der Administrator weiß das, nicht umsonst umgibt er sich mit einer starken Leibwache. Es gab schon andere Versuche, vor mir – insofern, es ist ein weiterer Versuch. Entweder er gelingt., oder nicht.“

Amira erschrak über Catos Worte, wie Peitschenschläge in Fleisch, brannten sie sich in ihr Bewusstsein. Cato war entschlossen es zu tun und er erwartete, dass sie ihrem Versprechen folgte. Ihn in allem zu unterstützen, was er für richtig hielt. Sie erhob sich eilig und lief um den Schreibtisch herum zu ihm hin, schlang von hinten ihre Arme um seinen Hals und flüsterte in heiserer Erregung: „Sein Blut wird fließen. und du wirst…seinen Platz einnehmen. Turmus wird der Ort unseres Sieges werden. Von hier aus werden wir wachsen und unserem Sohn ein Imperium hinterlassen, Cato“
Cato legt zufrieden seine Hand auf ihre Arme und nickte. „Das werden wir, Amira. Und bald schon werde ich der Administrator von Turmus sein, und du wirst die Prätorin über ganz Turmus. Hier wird kein Händler Recht sprechen oder sich zu erheben wagen.“ Amira küsste ihn atemlos auf den Hals und schob sich dann auf seinen Schoß, nur der Stoff von Schleier und Robe trennte sie nun noch voneinander. Cato erwidert ihren Kuss und sah sie für einen Moment voller Verlangen an. Sie hob die Hände, löste die Schleiernadeln, bis der Stoff ihre Lippen nicht länger verbare und begann ihn dann zu küssen in einem plötzlichen Rausch. „Ich kann keine Ehn mehr ertragen ohne deine Nähe, Cato…“ Ihre Wangen begannen zu glühen und ihre Augen schimmerten mit einem Mal vor Eregung.

Er nahm sie vor sich auf dem Tisch liegend, ungeachtet ob jemand die Hafenmeisterei betreten könnte. Mit jedem Stoß geriet der Tisch leicht ins Wanken, es war fast, als wolle er so tief wie nie in sie dringen um sich ihrer unbedingten Loyalität zu versichern. Ein paar Goldmünzen, die gestapelt auf dem Tisch lagen, rollten über die Holzplatte und Bücher fielen schließlich zu Boden. Nichts davon nahm Amira noch wahr. Sie hatte ihre Beine hoch erhoben und zerfloss unter ihm, weich und willig. Es war so lange her. Die Geburt der Mädchen hatte sie lange daran gehindert, einander wieder zu zeigen, wie nah sie sich waren.

Als er keuchend auf sie niedersank und die tanzenden Sterne vor ihren Augen allmählich verblassten und den Blick auf die Zimmerdecke wieder freigaben, tastete Amira nach ihrer Robe, die ihr locker um die Hüften hing, nachdem er sie recht hektisch und unsanft von ihren Brüsten gerissen hatte und flüsterte zärtlich „Ich werde dich unterstützen, Cato. Immer. Und wenn es Blut kostet.“
Cato löst sich von ihr und nickte.

Ich weiß, meine Gefährtin.“ sagt er mit der ruhigen Stimme eines Mannes, der eine Frau zu führen weiß.

Amira erhob sich und richtete sich das Haar. In ihrem Kopf kreisten die Gedanken wie ein Tarn um einen Mann, der auf einer weiten Ebene stand. Es war der Administrator von Turmus. Und die Kreise des großen Vogels zogen sich bereits enger. Bald schon würden sich seine Krallen in das Fleisch bohren. Wenn Cato ihn tot wollte, musste er sterben. Daran bestand für Amira nun kein Zweifel mehr.

amira_turmus_002

Advertisements
Comments
One Response to “Fair is foul, and foul is fair”
  1. onolisicious sagt:

    Ja ja, die Aasgeier kreisen schon und warten nur darauf, sich auf den arglosen Administrator zu stürzen. Mehr „Sorgen“ bereiten mir allerdings die schrägen Vögel, die sich nur allzu gerne den Schnabel zereissen:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: