Vorbereitungen auf den Ernstfall

Die Heilerin hatte Herz gezeigt und Amira einen Stuhl auf Rädern bereitgestellt, damit sie nicht reg- und tatenlos in ihrem Bett liegen musste. So hässlich Amira das merkwürdige Konstrukt auch fand, es erfüllte seinen Zweck und ließ sich mittels der Kraft ihrer Arme fortbewegen, während ihre Beine und ihr Unterleib ruhig auf dem Stuhl ruhten. Nachdem sie die erste Scheu überwunden hatte, unternahm sie mit Laertes gleich einen Ausflug an den Hafen Richtung Heilerei, um der Heilerin zu zeigen, wie mobil sie jetzt war.

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Wider Erwarten fand sie in dem geräumigen Flachbau aber nicht Lady Jean vor, sondern Sir Rannug samt Tara, seiner Kajira, die am Krankenbett von Lucius von Ar wachten, bis die Heilerin zurück war. Amira fand beide in gedrücker Stimmung vor, was sie sich nicht so ganz erklären konnte. Gerade von Rannug hätte sie an sich Freude darüber erwartet, dass sein Konkurrent schwer verletzt in der Heilerei lag und mit dem Tod rang. Immerhin schien er Amira sehr darunter zu leiden, dass Lucius seine Finger nach wie vor nicht von Meona lassen konnte. Zumindest schien Rannug das anzunehmen…. Und nun stand er hier wie ein mit Eiswasser begossener Larl. Wie sich herausstellte, hatte nicht etwa Rannug den Veteranen aus Ar niedergestochen, sondern der neue Söldner, der auf Empfehlung von Lady Isabell zur Brigade gestoßen war. Offenbar ein rechter Heißsporn, aber nun – das liegt wohl in der Natur vieler junger Krieger. Offenbar hatte Lucius ihn mit seiner Arer Arroganz dermaßen provoziert und ihn als Krieger in Frage gestellt, dass es zu einem Kampf gekommen war.

Nichts Ungewöhnliches soweit, dachte sich Amira und versuchte dennoch ein paar tröstende Worte zu finden, als sie Cato im Hof der Heilerei rufen hörte. Ha! Sie musste ihm noch ihren Triumph über das Aufstehverbot demonstrieren… Cato traute zunächst seinen Augen nicht, als Amira ihm die Wendigkeit ihres Gefährts demonstrierte und einmal rund um das Krankenbett kurvte, während Laertes brav hinterhertappste auf seinen zwei wackligen Beinchen. Dann verabschiedeten sie sich höflich, denn der Kranke brauchte schließlich Ruhe, wenngleich Amira darauf bestand darüber informiert zu werden, sobald er die Augen öffnen und einfache Fragen beantworten konnte. Sie brauchten ihn möglicherweise als Befehlshaber über die Landstreitkräfte. Seine Erfahrung konnte ihnen nur von Nutzen sein. Ob der neue Söldner nach der Auseinandersetzung nicht das Weite gesucht hatte, musste sich erst zeigen, bevor man auf ihn zählen konnte.

Gerade als sie Cato fragen wollte, ob der Bote aus Jorts Fähre schon Nachrichten gebrachte habe, trat Lady Alja zu ihnen. Amira lächelte erfreut. Auf Alja war insgesamt Verlass und für heute hatte sie Amira damit beauftragt den Kaufvertrag über die ehemalige Del-ka Insel, die dem Hafen vorgelagert war, vorzubereiten. Nachdem der ehemalige geheime Treffpunkt für die Organisation nicht mehr notwendig war, stand das Haus auf der Insel leer. Lady Alja war am Vortag aufgetaucht um Cato und Amira zu den Zwillingen zu gratulieren und hatte außerdem nach dem Grundstück gefragt. Sie plante dort für das Handelshaus ihrer Familie eine Schlangenzucht aufzubauen, zur Gewinnen von Giften, Gegengiften und natürlich Medizin. Nachdem Cato sich versichert hatte, dass es höchst unwahrscheinlich war, dass eines der giftigen Tiere seinen Weg über die Strömungen des Vosk hinweg bis an Land fand, hatte er dem Verkauf zu einem nicht unbeträchtlichen Betrag zugestimmt.
Alja überflog den Vertrag und war fast zufrieden. Ein paar Änderungen wurden noch vereinbart.

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Am späten Abend, Cato war zu einem Gespräch mit dem Administrator von Turmus aufgebrochen, klopfte es an der Tür der Hafenmeisterei. Es war der Bote, den man nach Jorts Fähre entsandt hatte. Jorts Fähre – skeptisch wie eh und je – würde eigene Erkundigungen in Kasra einholen, was die Entsendung von Tarnschiffen in den Vosk anging. Dagegen, so erklärte Amira Ruan, habe sie nichts einzuwenden. Am Ende würde die Vosk-Liga, der ja auch Turmus angehörte, eng zusammenstehen müssen gegen die kasratische Provokation und möglichkerweise Invasion in das Vosk-Gebiet. Sie würden weiterhin Jorts ihre freundliche und rechtschaffene Gesinnung demonstrieren und sie so bald wie möglich zu einem gemeinsamen Flottenmanöver einladen. Davon abgesehen würde Amira versuchen weitere Städte der Vosk-Liga zu informieren und den Rat der Vosk-Liga zur Beratung über eine gemeinsame Strategie einzuberufen versuchen.

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Abgesehen von diesen diplomatischen Spielzügen wusste Amira, dass es Zeit war Turmus für den Ernstfall vorzubereiten. Eine Seeschlacht vor Turmus – möglicherweise – oder irgendwoanders am Vosk. Möglicherweise eine lange Belagerung durch die Blockade von Handelsrouten durch Kasra. Noch am gleichen Abend informierte sie Rannug über die Lage und empfahl die Lager vor allem mit nicht verderblichen Gütern zu füllen. Gerd stand ihr beratend zur Seite und besprach mit Ruan die bevorstehenden Flottenmanöver. Die meisten Krieger aus Ar hatten kaum Erfahrung im Kampf zu Wasser und waren vom Delta noch schwer traumatisiert. Es galt nun Vertrauen zu wecken in ihre Fähigkeiten. Das Training musste rasch beginnen.

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