Nachrichten aus Kasra

Amira rieb ihre Nase an Catos Hals und schob das Knie mit leichtem Druck gegen seinen Schritt. Sie durfte immer noch nicht aufstehen und so vertrieb sie sich die Zeit mit Grübeleien und Gelüsten nach seiner Nähe. Nach dem Wutausbruch eben, weil er ihr nicht erlaubte, das Bett zu verlassen und damit gedroht hatte, sie eigenhändig festzubinden, wenn sie nicht folgsam war, spürte sie eine starke Sehnsucht nach seiner Nähe. Natürlich verhinderten die heilenden Narben an ihrem Bauch, dass sie ihm so nah sein konnte, wie sie wollte, aber dennoch…. sie hatte einen Mund, der unversehrt war….und sie wollte ihm wieder gefallen, jetzt wo die Schmerzen allmählich nachließen. Gerade als sie in einem leidenschaftlichen Kuss versanken, ertönte ein Klopfen unten an der Tür zur Hafenmeisterei. Beide hielten inne, in dem was sie taten und es war Cato, der sich rufend erkundigte, wer da Einlass begehrte.

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Als sie Isabells Stimme erkannten, erhob sich Cato vom Bett, nicht ohne noch einmal einen sanften Kuss auf Amiras Haar zu drücken. Er reichte ihr ihren Schleier rüber und ging dann runter um zu öffnen. Amira zog die Decke wieder bis unters Kinn und lauschte dann Richtung Treppe. Es war nicht nur Isabells Stimme zu hören, sondern auch die von Meona. Cato führte die beiden hinauf, wohl wissend, sie lange Amira jede einzelne Ahn im Bett wurde, ohne Aufgabe und ohne Beschäftigung. Dann traute sie ihren Ohren nicht und ein freudiges Lachen sprang über ihre Lippen.

„Ich hole sie. Sie kann die paar Schritte bis zum Sessel laufen und sie wird sich freuen über Besuch.“ erklärte Cato und bat die beiden Frauen Platz zu nehmen in ihrem privaten Wohnbereich. Amira saß schon an der Bettkante, als Cato kam, um sie zu stützen. Bei raschen Bewegungen schmerzten die Nähte noch, vor allem aber brauchte sie Zeit, damit der Schwindel nachließ bevor sie das Gesicht auf ihre Beine verlagerte. Er hatte den Schaukelstuhl für sie bereit gestellt und dorthin führte er sie nun, langsam und behutsam.

Als Amiras Blick auf Meona fiel, musste sie an die Nachricht denken, die Greta Cato und ihr überbracht hatte. Ein Nordmann aus Thorwalds Lair war dagewesen. Sir Rannug war bei einem Überfall schwer verwundet worden und erbat Hilfe bei der Befreiung der entführten Godia des Dorfes der Feuerbringer. Vielleicht eine günstige Gelegenheit sich mit einem Nordstamm zu verbünden. Meonas Blick war ungetrübt. Vermutlich ahnte sie noch nichts vom Schicksal ihres Gefährten. Aber bevor man in der kleinen Runde darauf zu sprechen kommen konnte, wartete Isabell mit wichtigen Neuigkeiten aus Kasra auf. Überrascht blickte Amira zu der temperamentvollen Schriftgelehrten, die es gewagt hatte, verdeckt und in Tarnung an ihren alten Heimstein zu reisen. Als Händlerin hatte sie sich unters kasratische Volk gemischt und brachte Neuigkeiten, die Amiras Überraschung rasch in Besorgnis verwandelten. Die Regentin hatte offenbar in einer Art Präventivstrategie ihren besten Mann auf Del-ka angesetzt, bevor man überhaupt begonnen hatte, in Kasra zu wirken. Isabell wisperte ehrfurchtsvoll den Namen des Kriegers: Luc con Kasra, geborener Cosianer!

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Amira setzte sich nervös auf. Sie erinnerte sich sehr gut an diesen Krieger. Er war einer der wenigen, der ihre gesamte Vergangenheit kannte – nicht, weil sie ihm jemand verraten hatte, sondern weil er mit einer Kombinations- und Beobachtungsgabe gesegnet war, um die ihn mancher Schriftgelehrte beneidete. Außerdem hatte er in Lydius als ihr Kontaktmann zu Kasra fungiert, nachdem man Dorian von ihr abgezogen hatte.  Sie warf Cato einen besorgten Blick zu und sprach es aus: „Ich würde das nicht über jeden kasratischen Krieger sagen, aber Luc ist eine ernstzunehmende Bedrohung.“ „Das ist noch nicht alles.“, sprach Isabell ruhig, „die Regentin will ein kasratisches Tarnschiff ins Vosk-Delta entsenden“.
Cato lachte, aber es klang wenig heiter: „Nun, INS Delta wohl kaum, aber da Turmus die letzte Stadt vor dem Delta ist, könnte uns das durchaus Ungemach bereiten.“

Es war Meona, die sich nun zaghaft zu Wort meldete. „Ich rate Euch mit Lucius zu sprechen. Er ist ein altgedienter Krieger aus Ar und würde nichts lieber tun, als den Cosianern und ihren Verbündeten einen großen Tritt in den Arsch zu verpassen.“ Cato nickte zustimmend und auch Amira war von diesem Plan angetan. In Verbindung mit Gerd konnte der alte Mann mit der Narbe im Gesicht, die Brigade zum Sieg führen. WENN eine Seeschlacht vor Turmus unumgänglich würde. Zweifelsohne würden sie dazu noch Söldner auftreiben müssen. Cato rieb sich nachdenklich das Kinn „Wenn Kasra mit einem Tarnschiff in den Vosk einfällt, dürfte dies allerdings auch Jorts Fährte interessieren. Ihr Handelsweg wäre direkt betroffen durch die Einmischung aus Kasra.“ Amira nickte und lächelte. „Nun – vielleicht bringt das Bewegung in die Vosk Liga. Und ich meine damit Bewegung in die richtige Richtung.“

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Noch am gleichen Abend brach Cato in Begleitung von Isabell und Meona Richtung Thorwalds Lair auf. Rannugs Ersuchen musste einen triftigen Grund haben und kam womöglich gerade rechtzeitig. Schweren Herzens blieb Amira zurück. Es war die Zeit des Eises im Norden und eine Reise dorthin ein gefährliches Unterfangen. Dennoch wusste sie, dass sie Cato nicht hindern durfte. Ein Mann tat, was ein Mann tun muss. Keine kluge Frau versucht ihren Gefährten zu fesseln, denn was man liebt, muss man ziehen lassen. Dann kommt es immer wieder zu einem zurück.

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Comments
7 Responses to “Nachrichten aus Kasra”
  1. Te-ah-tim-eh sagt:

    Hm und Jorts Fähre ist mit Belnend verbündet…das könnte interessant werden…

  2. Luc (Zelmo) sagt:

    Genauso hab ich das gerne, wenn Städte erzittern und Frauen erbeben, wenn Armeen panisch nach Bündnissen suchen und Söldner anheuern, wenn Seeschlachten ins Auge gefasst, die Mauern verstärkt, die Türen verschlossen und die Wäsche reingeholt wird, kurz: wenn Angst wie ein diesiger giftiger Nebel durch die Straßen kriecht und die Menschen nicht mehr schlafen lässt – allein, weil in einem Satz der Name Luc von Kasra fällt, harharhar… *reibt sich die Hände*

    • neanarstrom sagt:

      Amira ist sich sicher, dass der Hauptmann, würde er von diesem Umstand wissen, an diesem schönen Morgen noch einige Ehn länger vor dem Spiegel verbringen würde als er es schon an einem gewöhnlichen Morgen tut. *grinst heiter*

  3. Luc (Zelmo) sagt:

    …einerseits das, andererseits auch amüsiert lachen, wenn er davon hörte, dass irgendwelche Arer Untergrundkampfgruppen sich scheinbar schon wieder von Cos ins Voskdelta locken lassen, um dort ein weiteres Mal unterzugehen, und anschließend den Admiral fragen, von wie vielen Sklaven er dieses angebliche Tarnschiff von der Fayeen-Schutzflotte durch die Ebenen von Turia an die Thassa-Ufer hat zerren lassen.

  4. Luc (Zelmo) sagt:

    Also, nach Rücksprache mit dem „Admiral“ weiß ich nun, dass wir über den Fayeen und den Cartius die Dschungel von Schendi, die großen Seen wie den Lake Shaba und von dort aus wohl über Schendi das Meer erreichen könnten (zwar gibt es nach meiner Einschätzung hier an den Seen noch größere Wasserfälle, aber gut). Zum Schutz von Handelsschiffen, die den Hafen von Schendi nutzen, verfügt Kasra über drei Tarnschiffe mit Zugang zum Meer – sowie welche zum Schutz auf dem Fayeen.

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