Chrysa und der Bote

Es dauerte eine Weile, bis Chrysa mit ihrer begrenzten Intelligenz die Zusammenhänge begriff, die in dem Haus auf der Insel mittem im Fluss vor sich gingen.  Der Krieger, der sie vor vielen Händen hierher brachte, wurde von ihrem neuen Herrn Ruan genannt und gehörte der Delka-Brigade an. Was genau das war, das verstand sie nicht, aber was sie instinktiv aufnahm, war, dass in Ruan ein Feuer der Wut schwelte, das ihn schwer berechenbar machte und ihn eine Gefährlichkeit ausstrahlen ließ, die sie mit Angst und Unsicherheit erfüllte. Sicher, auch der Administrator von Lydius, ihr alter Herr, war hart und streng gewesen, aber er erkannte Bemühen und Leistungen durchaus an, wenn sie von Herzen kamen. Ruan aber konnte sie es kaum Recht machen.

Und nun sollte sie ihn also auf einer langen Reise begleiten, die als Bote für Del-ka antreten würde. In alle großen und wichtigen Städte Gors sollte es gehen und obwohl sie gehört hatte, wie die beiden darüber gesprochen hatten, war ihr nicht klar geworden, worum es wirklich ging. Als man ihr den ledernen Beutel mit den Zylindern zum Tragen gab, zitterte sie innerlich vor der harten Zeit, die ihr bevorstand. In jedem Zylinder befand sich eine Schriftrolle, die an ausgewählte Personen der Hohen Kasten Gors ausgeliefert werden musste. Ruan trug am Helm einen goldenen Streifen, die Markierung eines Boten.

Die Herrin, die Chrysa aus Ar und aus Lydius wiedererkannte, gab ihr Reisekleidung und ließ ihr auch einen neuen Kragen anbringen. Chrysa tastet an der Gravur entlang, aber die Zeichen sagten ihr nichts und niemand erklärte ihr, was dort geschrieben stand. Wenig später nahm Ruan sie an die Kette und sie fuhren mit dem Ruderboot zum Hafen von Turmus hinüber, wo sie mit dem nächsten größeren Boot ablegten.

Für lange Zeit wandten sie Turmus den Rücken zu. Es galt die Botschaft von Del-ka in alle Städte Gors zu überbringen. Chrysa krampfte die Hände um den Beutel und sah zu Ruan auf, der neben ihr stand und sich dem Wind an Deck stellte. Das Schiff nahm rasch Fahrt auf und das Wetter war rau an diesem Tag. Wem würden sie begegnen? Was würde ihnen widerfahren? Wer würde Freund sein und wer Feind? Ungewiss lag die Zukunft vor ihnen.

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