Die Lücke

Drei Dinge waren es, die Amiras Denken vollumfänglich bestimmten in diesen Tagen.

Den Auftrag, den Cato ihr für del-ka erteilt hatte.

Den Willen, ihm ein zweites Kind zu schenken.

Und die Lücke in Laertes Papieren, die seine Mutter als bei der Geburt verstorben auswies.

Nachdem Lady Alja abgereist war, bevor es zu einem erneuten Gespräch zwischen Cato und ihr kommen konnte, war ihnen beiden spätestens nach der Entführung durch die Panther klar geworden, dass die Lücke in Laertes Papieren geschlossen werden musste. Es war Cato selbst, der Amira auf das ungeheure Risiko hinwies. Was wäre, wenn ihm etwas zustieße? Sie konnte offiziell nicht nachweisen, die Mutter ihres Sohnes zu sein.

Diese Tatsache ließ beiden keine Ruhe. Sie beschlossen sich an Blue zu wenden, die Heilerin Belnends, die möglicherweise Abhilfe schaffen konnte. Damit verbunden war, dass sie eine weitere Person in das Geheimnis um ihre Vergangenheit einweihen mussten. Amira vertraute Blue, dennoch wurde es ein schwieriges Gespräch, weil Salz in alte Wunden gerieben werden würde. Cato ballte im Verlauf des Gesprächs mehrfach seine Hände zu Fäusten, als es um Amiras Status zum Zeitpunkt kurz vor und nach der Geburt ging. Schon neulich im Gespräch mit der Kajira aus Lydius, war sein Hass auf Gar erneut hochgekocht und seine Worte hatten keinen Zweifel daran gelassen, dass er dem Administrator von Lydius den schrecklichsten aller möglichen Tode an den Hals wünschte.

Was Amiras Freilassung betraf, so hielten sich beide stillschweigend und ohne dies vorher absprechen zu müssen, an die offizielle Version. Es gab außer Cato und ihr selbst nur eine Person, die die ganze Wahrheit um Amiras Flucht aus Lydius kannte. Diese Person war Sir Connor, über dessen Verbleib sie derzeit nichts wussten. Und Gar natürlich. Wie viele Leute er eingeweiht hatte, entzog sich ihrer Kenntnis.

Blue runzelte nachdenklich die Stirn. Sie kannte Lady Alja, kannte sogar ihren Aufenthaltsort. Einfacher als eine aufwendige Blutuntersuchung, so Blue, sei es Alja aufzusuchen und sie um eine Korrektur der Papiere zu bitten. Zumindest aber wollte Blue herausfinden, ob Alja bereit war, die Mutterschaft Amiras zu bestätigen. Dies wäre der einfachste und wohl auch gerechteste Weg, sagte sie. Amira ließ entmutigt den Kopf hängen. Sie hatte Angst vor einer Begegnung mit Lady Alja. In ihr fraß die Scham über ihren damaligen Zustand sich wie ein Geschwür durch ihre Eingeweide. Es war nicht leicht, die Vergangenheit ruhen zu lassen, wenn es immer wieder nötig wurde, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Cato zog ihren Kopf an seine Brust und hielt sie fest, als er ihren Gemütszustand bemerkte. In wenigen Tagen würden sie aufbrechen in die Tem-Ebene. Blue würde die Vorbereitungen treffen und ihnen dann Bescheid geben.

Amira vergaß über die bevorstehende, sie bis ins Mark ängstigende Reise ganz die Frage nach dem Brutwein. Doch auch an diesem Tag erwiesen sich Catos Berührungen und Küsse als das wirksamste Mittel gegen Spannungen, Ängste und Kummer.  Mit jeden Stoß befreite er Amira von den dunklen, nebelartigen Fäden, die ihren Geist fesselten, bis sie schließlich erschöpft und zufrieden einschliefen, während im Kamin die letzten Holzscheite knirschend auseinanderbarsten und in hunderte glühende Teilchen zerfielen.

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Comments
2 Responses to “Die Lücke”
  1. Serena sagt:

    oh den Aufenthaltsort von Sir Connor werdet Ihr Beiden hoffentlich bald erfahren. Tekko plant nämlich eine Reise nach Belnend, er hat Ameisen im Hintern. Ich hoffe wir kriegen das zeitlich so gespielt, das er mit seinem Jungen auch dann da aufschlägt wenn Ihr nicht mal grad wieder entführt worden seid, grins

    • neanarstrom sagt:

      Das Gute an solchen Entführungen ist, dass die schnell vorbei sind. *g*

      Auf jeden Fall freuen wir uns drauf… also auf Tekko, nicht so sehr auf erneute Ruckzuck-Entführungen.

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