Als Geiseln verschleppt

Blue, die Heilerin, hatte ihr Ruhe verordnet. Nur mit Mühe hatte sie sich an diesem Tag von Laertes lösen können und ihn in Gretas Obhut gegeben, um der nach Jorts Fähre abreisenden Delegation zuzuwinken. Dort fand eine Feierlichkeit statt zu einer bereits besiegelten Gefährtenschaft. Amira war innerlich immer noch aufgewühlt. Entgegen ihrer Erwartungen war es zu keinem Gespräch mit Lady Alja gekommen, was vermutlich auch daran lag, dass Cato erst zur Herberge kam, als alle bereits abgereist waren. In Laertes Papieren prangte eine Lücke. Nein, eigentlich war es schlimmer als eine Lücke, denn dort, wo die Angaben zur Mutter eingetragen werden sollten, stand, dass die Mutter bei der Geburt verstorben sei. Amira blickte den letzten Söldnern nach, die das Tor passierten und zog das Schultertuch enger um sich. Bei der Geburt verstorben. In gewisser Weise war sie für alle damals tot gewesen. Eine Sklavin sieht niemand mehr als Person an. Bevor ihre Gedanken sich wieder den finsteren Stunden zuwenden konnten, richtete sie ihren Blick auf Cato. Sie lebten im Hier und Jetzt. Es machte keinen Sinn sich in alten Zeiten zu ertränken.

Es ginge ihr gut und er solle sich keine Sorgen machen, antwortete sie, als er sich mit etwas besorgtem Blick nach ihrem Befinden erkundigte. Sie hatten keine Gelegenheit dies weiter zu vertiefen, denn zwei reisende Frauen steuerten durchs Tor auf die Herberge zu und nahmen auf der zur Thassa liegenden Terrasse Platz. Kaum jemand war in der Stadt geblieben und auch die Wachen schienen durch die Reise nach Jorts ausgedünnt und an diesem Tag etwas unaufmerksam zu sein. Amira und Cato hegten jedem Fremden gegenüber ein gesundes Misstrauen, aber an diesem Abend waren sie fast die einzigen offiziellen Repräsentanten von Belnend und möglicherweise waren die beiden reisenden Frauen Pilgerinnen. Sie wirkten unbeholfen und etwas hilflos, vor allem was die kulturellen Gepflogenheiten anging.  Allen Ernstes fragte die eine, ob es Cato etwas ausmache, wenn sie ihren Schleier ablege! Amira warf ihrem Gefährten einen vielsagenden Blick zu. Vermutlich dachten sie beide das gleiche – Frauen aus dem Norden! In Belnend herrschte keine Schleierpflicht, aber eine Frau trug den Schleier doch nicht, weil die Männer sich an ihrem nackten Angesicht störten, sondern um sich selbst vor Begehren zu schützen, dass der Anblick ihrer unverschleierten Schönheit bei einem Mann vielleicht wecken konnte. Amira schickte eine Kajira nach Getränken und versuchte dennoch in aller Höflichkeit eine gepflegte Konversation aufzubauen. Dabei stellte sich heraus, dass die eine der beiden eine Heilerin war. Was für ein glücklicher Umstand, denn Blue war ja mit nach Jorts gereist. Vielleicht war dies eine Möglichkeit an Brutwein zu gelangen.

Die Frau nickte und ging zu ihrem Beutel um eine Phiole zu holen. Gerade als Cato die verlangten Münzen abzählte und Amira zufrieden an ihrem Kalana nippte, erklang mit einem Mal das Geräusch von Schwertern, die aus der Scheide gezogen werden. Noch bevor Cato oder sie irgendeine Möglichkeit hatten zu reagieren, hatten die beiden Frauen sie mit ihren Schwertknäufen niedergestreckt. Gerade noch das Aufblitzen der Klingen hatte Amira gesehen, bevor ein schwerer Schlag ihren Kopf traf und die Welt sich um sie herum verdunkelte.

Als sie wieder zu sich kam, war sie gefesselt. Cato stand ein wenig abseits, ebenfalls durch Seile gebunden und in der Gewalt einer der beiden Frauen, die sie für Reisende gehalten hatten. Offenbar waren die restlichen Wachen bereits überwältigt, denn niemand griff ein, als man sie aus der Stadt brachte. Amiras schrie vor Entsetzen und versuchte sich gegen die Fesseln zu stemmen. Laertes! Schon wieder war man im Begriff, sie von ihrem Sohn zu trennen und das Grauen erfüllte sie bis in die letzte Faser ihres Seins. Während der Reise in das Lager der Frauen, die sich als „Black Panther“ bezeichneten, kam allmählich der Sinn ihrer Entführung ans Licht. Sie waren Geiseln und sollten der Freipressung einer „Schwester“ dienen, die beim Kommandanten von Belnend derzeit an der Kette lag.

Die Rothaarige mit den Körperbemalungen! Amira erinnerte sich an das knurrende und wüste Drohnungen aussstoßende Etwas an der Kette des Kommandanten. Ohne Zweifel hatte man die Schwester der wilden Weiber hier nach Jorts Fährte mitgenommen. Sie sollte keine Zeit haben diese Überlegungen weiter zu vertiefen, dann der unterirdische Kennel wartete bereits auf sie. Gerade so groß, dass man aufrecht darin sitzen konnte, waren die Kennels und zu allem Überfluss trennte man sie von Cato. Amira kratzte an den Wänden entlang vor Verzweiflung, bis ihre Finger bluteten und schrie herzerweichend nach ihrem Sohn. Selbst Cato konnte sie aus seiner Zelle heraus nicht beruhigen und die Stimmung im Lager wurde immer gereizter. Offenbar gab es auch unter den Schwestern nun Meinungsverschiedenheiten darüber, ob man die Frau – also Amira – nicht zurückschicken sollte zu ihrem Kind, am besten mit einer Botschaft an Bo, den Kommandanten. Man verlangte die Herausgabe ihrer Schwester – und zusätzlich zehn Kisten mit Pfeilen.

Als die Tür ihres Kennels sich öffnete zitterte Amira am ganzen Leib und kroch dann sofort auf Catos Gitter zu, um ihre Hände an seine zu pressen. „Ich liebe dich, hörst du, ich will nicht ohne dich gehen…!“, flüsterte sie. Cato berührte mit seinen Fingerkuppen durch das Gitter hinweg ihre und erklärte „Du musst, geh und sorg für Laertes. Und sorge dafür, dass Bo mich hier bald rauholt!“ Amira presste ihre Wange an das Gitter und schluchzte. Sie wusste, dass er Recht hatte. Einver von ihnen musste für Laertes sorgen und die Botschaft überbringen. Dennoch konnte sie sich kaum von Cato lösen, erst als man ihr androhte, sie wieder einzusperren und für immer im Kennel verrotten zu lassen, folgte sie einer der Wilden nach draußen ins Licht.

„Wir brechen ihm für jeden Tag unsere Schwester in Gefangenschaft einen Finger“, knurrte das Weib als sie Amira durch das Lager zurück führte.

Amira erschrank.

„Das könnt ihr nicht tun, er ist Schriftgelehrter, er braucht seine Hände! Und wenn, fangt bei den Priesterkönigen mit der linken Hand an!“
Das Weib lachte nur. „Du sorgst dafür, dass unsere Schwester morgen frei ist und bekommst ihn unversehrt zurück. Wenn er sich benimmt.“

Auf der Rückreise musste sich Amira dem widerwärtigen Bootsmann gegenüber behaupten, allerdings war dies im Vergleich mit der Sorge um ihren Gefährten eher ein kleineres Problem. Mit zudringlichen Männer konnte sie umgehen.


Kaum hatte das Boot in Belnend angelegt, rannte sie schreiend Richtung Stadt. Sie hatte gerade erst das Stadttor passiert, als die Wachen und der Kommandand schon alarmiert waren. In Windeseile stellte man eine Mannschaft zusammen und hielt Kurs auf die Waka-Insel, wo der Stamm der Wilden lebte. Von den Verhandlungen selbst bekam Amira wenig mit. Man ließt sie am Boot, die Wilde an ihrer Kette, mit dem Hinweis, dass sie beim kleinsten Angriff wieder abreisen sollte nach Belnend. Jede Ihn zog sich zur Ehn. Jede Ehn kam Amira vor wie eine ganze Ahn. Sie hatte einer Kajira befohlen die Gegend im Auge zu behalten und hielt die Kette der Wilden fest in ihrer Hand.

Wie lange war es her, dass der Kommandant Richtung Lager gezogen war? Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Dann endlich tauchte in nicht allzu großer Entfernung allmählich etwas Rotes am Horizont auf.

Der Kommandant war unverletzt, aber wo war Cato?

Auf der Mitte des Weges, an einer Brücke, sollte der Gefangenenaustausch stattfinden. Langsam und bedächtig näherten sich von beiden Seiten die Gruppen der Brücke über der Schlucht. Cato, umringt von knapp bekleideten Wilden auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die Gruppe aus Belnend, die Rothaarige zwischen sich.

Tausende Steine Last fielen von Amiras Schultern, als sie Cato in ihre Arme schließen konnte. Rasch ließen sie die Schlucht hinter sich und zogen sich Richtung Boot zurück, das zum Ablegen bereit wartete. Sie setzten Segel gen Belnend und kamen müde und erschöpft, aber glücklich wieder zu Hause an. Die Wilden hatten ihnen noch eine Warnung mit auf den Weg gegeben, aber der Kommandant hatte nur gelacht.

***
OOC-Anmerkung:

Ich glaube ich habe in meinem gesamten Gor-Leben nicht so oft in einer Blase gelegen wie in der Zeit jetzt in Belnend. Was mir bei den ganzen Meter-Aktionen auffällt, ist, dass mir währenddessen und dann auch in Gefangenschaft das Rollenspiel selbst ein wenig zu dürftig vorkommt. Ich glaube ich hätte die ganze Aktion früher nicht mitgespielt, denn das war natürlich Force in Reinform. Ich muss mal ein großes Dank an Cato schicken, der das total cool genommen hat und mich letztlich auch beruhigen konnte.

Und natürlich gilt mein Dank auch an Bo. Es ist nämlich so, dass man bei solchen Aktionen auch sicherlich wieder frei kommt – dank seines Verhandlungsgeschicks oder eben mit Waffengewalt. Das beruhigt doch ungemein. Belnend hat da irgendwie Tradition und Übung.

Wenn diese Action-Einlagen dann noch etwas mehr Rollenspiel beinhalten würden, damit auch tatsächlich Atmosphäre aufkommt, wäre das keine üble Mischung. Der IM Kontakt zu den Black Panthern war durchaus freundlich, aber ich bin halt ein Verfechter von Text-RP. Ich möchte es einfach ausformuliert sehen, wenn jemand mich niederschlägt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: