Die Suche

Die Reise über die Vosk-Ebene führte Amira auch am Quartier von Del-ka vorbei, irgendwo in einem Waldstück zwischen Ars Station und Iskander. Sie fand es verlassen vor. Erleichterung bahnte sich ihren Weg, Cato hatte vorausschauend gehandelt und es verlegt. Vielleicht sogar schon vor der Warnung, die sie sie der Bäckerin Larissa aus Hochburg mit auf den Weg geben konnte.
In den Nächten träumte Amira von dem Kind, allmählich schoben sich die Bilder aus ihrer Erinnerung wieder nach oben, so dass sich wieder an den Geruch von Blut erinnerte, an den ersten Schrei des winzigen Wesens, als die reine Luft Gors zum ersten Mal seine Lungen füllte. Und an das runde Köpfchen mit dem schwarzen Haar, das noch nass an der weichen Haut klebte. Als sie am Morgen in Iskander erwachte, wusste sie, dass sie zuerst nach Hochburg musste. Vielleicht war das Kind bei seinem Vater. Ihr ganzes Hoffen hing daran.

Sie tarnte sich als Händlerin für Rence-Papier und anderem Schreiber-Bedarf und schloss sich einer Gruppe von Händlern an, die Richtung Voltai zogen. Mit jedem Passang weit verblasste die Erinnerung an Lydius, es war ein wenig als würde sich eine neue Tür öffnen zu einem neuen Leben. Amira hatte zwei Ziele: Herauszufinden, wo sich ihr Kind befand und dafür zu sorgen, dass es ihm gut ging. Das war ihr erstes Ziel. Ihr zweites Ziel bestand darin, endlich ihren Frieden zu finden. Und vor allem, Cato seinen Frieden zu lassen. Sie hoffte nicht auf Vergebung oder auf Aussöhnung. Er war Goreaner. Er war stolz und ein Mann von Ehre. Wenn das Kind bei ihm war, würde sie beruhigt ziehen können ohne Cato weiteren Kummer zu bereiten.

Als sie in Hochburg eintrafen, verbarg sie sich unter dem Gewand einer voll verschleierten Händlerin. Ihr Blick fiel sofort auf die prachtvoll geschmückte Seebühne außerhalb der Festung und ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Vielleicht standen die Feierlichkeiten zur Gefährtenschaft zwischen Cato und der Tatrix bevor. Sie wurde rasch eines Besseren belehrt. Denn Cato stand dort über einige Schriftrollen gebeugt und bereitete die Feier vor. Es war Sir Connor, der heute Lady Narin zur Gefährtin nahm. Amira mischte sich unter die vielen Gäste, was nicht besonders schwer war. Sie fiel kaum auf. Cato selbst schenkte ihr als heimsteinfremder Händlerin keine weitere Beachtung und sie achtetet sorgsam darauf, ihre Stimme nicht zu laut erklingen zu lassen, wenn sie mit jemandem sprach.

Als die Festgesellschaft sich Speis und Trank zuwandte, nutzt sie die Chance sich hoch in die Stadt zu stehlen und nach dem Kind Ausschau zu halten. Sie hatte nur eine schwache Vorstellung wo es zu finden sein könnte, wenn es in Hochburg war und wandte sich der Ebene der Hohen Kasten zu. Seit dem Umbau hatte sich einiges verändert in der Felsenfestung im Voltai. Dennoch steuerte sie den Turm an, in dem sie Catos Zuhause vermutete und sah sich dort um. Nichts deutete auf die Anwesenheit eines Kindes hin. Aber das musste nichts bedeuten, er konnte es einer Amme anvertraut haben, die nicht bei ihm im Haus lebte. Er konnte es in einer anderen Familie untergebracht haben. Womöglich war es gar nicht hier in Hochburg, wo es den Frieden zwischen ihm und der Tatrix stören konnte.

Amira entschloss sich, ihm zumindest eine Nachricht dazulassen. Sie enthielt nicht viel, nur eine Bitte, von der sie nicht mal erhoffte, dass er sie beachten würde. Dann stahl sie sich wieder nach unten und suchte Anschluss an eine Reisegruppe aus der Tahari. Fliehe weit und schnell. Gerade als sie mit dem Sklavenhändler der Oase von Klima überein kam, dass sie mit in die Tahari reisen würde, traf ihr Blick den von Connor. Er sah sie an und sie wusste im Bruchteil einer Ihn, dass er sie erkannt hatte. Und er wusste, wohin sie ziehen würde. Dankbar über sein Schweigen lächelte sie ihn an.

Der Sand der Tahari würde die Spuren ihrer Füße rasch zudecken und sie vor den Blicken all jenen verbergen, vor denen Amira floh.

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