Amiras Ende (?)

Amira saß regungslos auf dem Stuhl, den Tonka ihr freundlicherweise in die Zelle gestellt hatte, nachdem man sie aus Hochburg nach Lydius überführt hatte. Am Morgen hatte sie noch die Tiere dort versorgt. Man hatte peinlich darauf geachtet, dass sie Cato nicht mehr traf, bis sie dann weggebracht wurde. Da hatte er sich demonstrativ hingestellt und sie mit Verachtung angesehen. Sie nahm es ihm nicht übel. Er musste so empfinden wie er es tat. Trotzdem war sie froh, als sie hinter dem Hauptmann auf dem Tarn ihren Tränen freien Lauf lassen konnte.

In Lydius herrschte allgemeine Ratlosigkeit im Hinblick darauf, wie man sie nun zu behandeln hatte. Wie eine gefangene Freie? Eine Sklavin? Eine schwangere Frau? Eine Mischung aus all dem?

Von der Zelle in der Schmiede aus konnte Amira auf die neu umgebaute Bibliothek schauen, ein Anblick, der sie mit Stolz und Zufriedenheit erfüllte. Sie mochte vieles getan haben, was falsch war und wofür sie Strafe verdiente, aber dieses Gebäude für die Kaste der Schriftgelehrten war etwas, das sie gut gemacht hatte.  In einer Ecke der Zelle standen zwei Eimer, einer mit frischem Wasser zum trinken, der andere für ihre Notdurft. Es gabe eine harte Pritsche, aber immerhin es gab etwas zum Hinlegen. Und es gab den Stuhl.

Vor der Schmiede stand Tonka Wache. Nicht, dass es nötig gewesen wäre, denn die Zelle war zu und darüber hinaus war sie Goreanerin. Zum Weglaufen also nicht dumm oder unwissend genug. Nicht mehr als eine Sklavin unter vielen, wenngleich sich in ihrem Denken Amira und die Sklavin noch abwechselten als würde man auf changierenden teuren Stoff blicken oder auf Wasser, in dem es gefährliche Unterströmungen gibt.

Gar ließ sich Zeit. Das Warten hinterließ seine Spuren, ließ sie ihre ganze Gefühlspalette durchleben, von schierer Panik bis Gleichmut, von Wut bis zur Verzweiflung. Ein neuer Schmied arbeitete in der Schmiede und lernte einen Tagelöhner an. Seine Sklavin kam und versorgte sie mit Sklavenbrei. Tonka und er tauschten schmutzige Sprüche aus und einige besonders niederträchtige galten ihr. Sie hörte es und versuchte sich abzuschirmen, es zwar in ihr Ohr, aber nicht in ihren Kopf dringen zu lassen. Sie war absolut sicher, dass das erst der Anfang war von dem, was sie würde ertragen müssen. Sie war voller guter Vorsätze, aber auch voller Zweifel. Konnte sie eine Sklavin sein? Sie bat die Kajira des Schmieds um einen Kamm, bekam aber keinen. So trug sie also ihr Haar offen und sonst nur ein weißes ärmelloses Büßergewand und Sandalen.

Sie hörte zuerst seine Stimme. Als er die Schmiede betrat, fiel sein Schatten auf sie, denn sie kniete, grüßte ihn wie es angemessen war und dennoch, es war nicht zu übersehen, dass unter der angepassten Ebene Amira war, die ihn belauerte. Es war auch Amira, die sich zu kriechen weigerte. Es war Amira, der er einen Kragen umlegen ließ. Es war Amira, die unter seiner Aufsicht in der ganzen Stadt die Del-ka Pergamente abkratzen musste. Und es war Amira, die er schließlich aufforderte ihm alles über diese Organisation zu sagen, was sie wussste.

Die Frau, die er von dem hölzernen Gestell im Palastgarten hob, war nicht mehr Amira. Es war eine Sklavin, hinter der man alle Brücken abgebrannt hatte. Sie hatte Cato verraten. Del-ka verraten. Ihr Rücken war übersäht von blutigen Striemen. Aber sie lebte. Und das Kind lebte auch.

Er trug sie ins Haus und nannte sie Najah. Die Gerettete.

—–

Ein OOC Kommentar sei mir erlaubt. Nein, ich stehe nicht drauf als Schwangere ausgepeitscht zu werden. Und Gar steht auch nicht drauf das zu tun. Aber es ist nicht ungoreanisch eine Sklavin zum Reden zu bringen, auch WENN sie schwanger ist.  Wenn dadurch Limits anderer Leute verletzt wurden, tut mir das bedingt leid, aber man kann aus dem Chatrange gehen oder vielleicht einfach nicht dorthin wandern mit der Spanner-Cam.
Und wenn man Kritik üben möchte, kann man das gern bei mir persönlich tun, liebe Blockwarte.

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Comments
8 Responses to “Amiras Ende (?)”
  1. Fredi sagt:

    Och die Geschichte nahm jetzt aber keine schöne Wende aber es geht ja weiter hoffe ich. ^^

  2. Serena sagt:

    Tja, Nea ist und bleibt ein Harmonie- und HappyEnd- Verweigerer…
    *grinst vor sich hin*

  3. Luc sagt:

    Luc sagt: Spielt doch keine Rolle, ist doch ein geborenes Sklavenkind dann und damit irrelevant und wertlos. Außerdem sind Schwangere im zweiten Drittel recht robust und topfit 😉 Gut, bei Vernehmungen ist es effektiver und geht schneller als mit der Peitsche, sich mit einem Rohrstock die Fußsohlen vorzunehmen oder mit einer Fackel die Achselhöhlen usw und meistens reicht da schon die Ankündigung, aber mei 😉

    • neanarstrom sagt:

      Grinst. Der Luc hat’s wieder mit den Füßen.

      Ja, für jeden unbeteiligten Goreaner ist ihr Kind nun nichts weiter als ein Sklavenkind. Und damit ungefähr so wertvoll wie ein ungeborenes Meerschweinchen oder so.

  4. Von meiner Warte kommt die ueberlegung bezueglich des Ringes, welchen die Tatrix ja nun in Verwarung genommen hat… Die Zeit wird es zeigen 🙂

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