Orientierungslos in der kalten Nacht

Cato war über das Angebot der Tatrix derart erbost, dass er nach einer hitzigen Diskussion mit Diritas und Amira in der Schreibstube wutentbrannt den Raum verließ und in der Taverne verschwand.  Ob Amira allen Ernstes in der Lage sei ihr Kind wegzugeben, wollte er wissen und begriff überhaupt nicht, in welche Lage er sie erst mit seinem Geständnis gebracht hatte. Ich könnte dich auch von Klippen stürzen oder dir einen Kragen anlegen lassen, hatte die Tatrix zu Amira gesagt. Für alle Beteiligten, so hatte sie Amira erklärt, sei die vorgeschlagene Lösung am besten. Ohnehin schon bis in die Grundfeste erschüttert, war nun Catos Wutausbruch der Tatrix und ihr selbst gegenüber, der Tropfen zuviel dessen, was Amira zu ertragen in der Lage war. Kaum war Cato aus dem Raum, rannte sie durch den Vorhang auf die Gasse und aus der Stadt, ungeachtet ihres mittlerweile leicht gerundeten Bauches. Die Wachen konnten gerade noch eine wehende blaue Robe sehen, die Treppe um Treppe hinunter rannte, nur hinaus aus Hochburg, weg von Cato und Diritas.

Sie bliebe eine Weile am, See unschlüssig was nun zu tun sei und beschloss einen langen Fußmarsch zu machen, damit ihre Gedanken Zeit hatten zur Ordnung zurückzufinden. Es war entscheidend, nun besonnen zu handeln. Sie hatte Cato noch nie so aufgebracht erlebt. Auf den Tisch geschlagen hatte er, dass die Bücher und Pergamente durcheinander flogen. Liebte er sie nun nicht mehr, weil sie das Angebot der Tatrix nicht sofort ausgeschlagen hatte und statt dessen das Gespräch suchte?

Mit derartigen Unheimlichkeiten im Kopf schlug sie den Weg in die Voltaischlucht ein und stellte nach ungefähr einer Ahn fest, dass sie sich verlaufen hatte. Leichte Panik überkam sie und als wäre das nicht genug, rutschte sie auf losem Geröll aus, bei dem Versuch einen kleinen Wall zu erklimmen um sich möglicherweise einen Überblick verschaffen zu können. Weder Robe noch die seidenbezogenen Pantöffelchen mit den glatten Ledersohlen waren für derartige Gebirgsexkursionen die passende Ausrüstung. Amira spürt wie ihr Fuß seitlich nachgab, ruderte noch hilflos mit den Armen und rutschte dann den kleinen Abhang hinab, sorgsam darauf bedacht ihren Bauch zu schützen. Einen Moment lag sie fassungslos im rotstaubigen Geröll, bis der Schmerz in ihrem Fuß sie in helle Aufregung versetzte. Sie konnte weder aufstehen noch gehen, und sie hatte keinen blassen Schimmer wie weit sie von Hochburg oder der Karawanenstraße entfernt war.

Sie beschloss weiter zu kriechen, wenn auch bei jeder Bewegung ihr Fuß schmerzte und pochte. Auf diese Art und Weise kam sie nicht schnell voran und nach einer weiteren Ahn brach die Dunkelheit herein mit der für das Gebirge typischen Geschwindigkeit. Und mit der Dunkelheit kam die Kälte. Amira konnte sich nicht erinnern jemals in ihrem Leben so gefroren zu haben. Nachdem die Felsen um sie herum auch das letzte bißchen gespeicherte Sonnenwärme abgegeben hatten, umgab sie eine Felsenlandschaft ohne jeden Schutz. Amira zitterte am ganzen Körper und blieb irgendwann liegen. Sie hatte keine Kraft mehr und merkwürdige Gedanken machten sich in ihr breit. Sie träumte von Lydius und von Straßen, die sich über Nacht mit Blut bedeckt hatten. Sie flüsterte Gedichte und versuchte zu singen. Bis sie irgendwann gar nichts mehr spürte oder dachte.  In ihr und um sie herum ward es stockfinstere Nacht.

Connor, der Hauptmann der Tarnstaffel erblickte sie am Morgen hoch oben aus der Luft als einen blauen Fleck, dich am Ufer des Sees.  Als er gelandet war, war sie immer noch nicht bei Bewusstsein, so dass er nicht lange zögerte. Immerhin, sie lebte noch. Er legte sie quer über den Sattel seines Tarns, so, wie man eine Kajira transportierte und flog sie nach Hochburg zurück. Von all dem bekam Amira noch nicht viel mit. Erst in der Wärme der Heilerei, als man in geschäftiger Hektik Decken über sie breitete, wurde ihr schlagartig bewusst, dass sie wieder nichts als Schwierigkeiten machte.
Die Tatrix war in heller Aufregung – allein wegen des Kindes – das Amira gefährdet hatte mit ihrer unüberlegten Aktion. Der Hauptmann war in Aufregung, weil Hochburg derzeit keinen Heiler hatte und Cato geriet so in Aufregung, dass er völlig die Geflogenheiten ignorierte und in die Heilerei gestürmt kam, ungeachtet dessen, was die Anwesenden wohl denken mochten. Damit brüskierte er wiederum die Tatrix.
Schließlich schickte man den Hauptmann auf seinem Tarn nach einer Heilerin, während man Amiras Temperatur allmählich wieder stabilisierte und ihren Knöchel erstversorgte.

((am Bett, Lady Narin, Cato))

Tatsächlich gelang es dem Hauptmann Amiras Heilerin aus Lydius nach Hochburg zu bringen, die ihr ordentlich die Leviten las. Amira bekam eine Hand Bettruhe verordnet und  – so Danika – sollte sie sie außerhalb des Bettes erwischen, würde sie sie eigenhändig festketten. Mit verbundenem Fuß, aber in der glücklichen Gewissheit, dass es ihrem Sohn in der warmen Hülle ihres Leibes gut ging, entspannte sich Amira wieder ein wenig.
Cato sorgte sich, was zweifelsohne bedeuten musste, dass er sie nach wie vor liebte. Kaum war Danika weg, stürmte er erneut die Heilerei und sie konnten einen Moment ungestört reden, jeder nahm die ganze Schuld auf sich und sie hielten einander bei den Händen, Cato sprach sogar davon mit Amira gemeinsam nach Iskander zu gehen um eine bessere Lösung zu finden, bis…

…die Tatrix hinter dem Wandschirm hervortrat. In ihren Augen stand die nackte, kalte Wut.

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2 Responses to “Orientierungslos in der kalten Nacht”
  1. …Cato wusste noch nichts von Amiras Unfall doch Diritas und der Hauptmann die ja nun beide von Catos misslicher Lage mit Amira wussten versuchten gemeinsam mit Sklaven die Frau zu stabilisieren und so zu lagern das es für den nächst besten heiler der eben so schnell wie möglich in Hochburg eintreffen würde ein Leichtniss wäre sie zu untersuchen. Als Cato vom unfall erfuhr wechselte er völlig sein verhalten Diritas flüsterte immer wieder auf ihn ein er könne da jetzt nciht einfach so hineinrauschen sei die Frau schliesslich nicht sein Weib, sie versuchte inständig an seinen Verstand der von tag zu Tag mehr und mehr auszusetzen schien zu appelieren. Die Geduld der Tatrix war mehr als bewundernswert…..

    http://sunrisewithsugar.wordpress.com/2012/08/18/nur-ein-vertrag/

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  1. […] Amira war verletzt von Connor nach Hochburg zurückgebracht worden, er hatte sie am Seeufer gefunden verletzt udn unterkühlt, sie muss nach dem Versuch mit Cato zu sprechen voller Wut abgehauen sein. Einen kurzen Augenblick dachte Diritas darüber nach was gewesen wäre hätte der Hauptmann sie nicht gefunden, wäre das die Lösung gewesen? Sicher Cato hätte einige zeit zu trauern gehabt aber aus eigener Erfahrung weis Diritas das die Zeit solch Wunden heilen würde. bei dem gedanken daran das es besser wäre dies Weib sei Tot durchfuhr sie das schlechte gewissen udn sie eilte schnell um nach der heilerin aus Lydius rufen zu lassen. Connor flog wie der Wind mit seinem Tarn durch die Lüfte die Heilerin war in lydius zwar zugegen, jedoch noch nicht abreisebereit sie gab ihnen zu verstehen das sie nachkommt jedoch noch etwas in lydius zu erledigen hätte. Lady Danika hielt ihr Wort und reiste entschlossen nach Hochburg, wussste sie nicht wer sie dort erwartete, wusste sie nur das es eine Patientin von Ihr zu sein scheint, doch Namen wurden in diesen zeiten nicht genannt. […]



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