Grundlagen des Rollenspiels

Rollenspiel im allgemeinen bezeichnet ein Spiel, bei dem die Spieler eine Rollen annehmen und innerhalb dieser Rollen miteinander agieren. Ein Rollenspiel benötigt ein Setting, das die Möglichkeiten vorgibt, in denen sich die Figuren bewegen können. Bei der Charaktererstellung ist darauf zu achten, dass die Rollen mit Stärken und Schwächen ausgestattet ist, alles andere ist sinnfrei für alle Beteiligten, sogar für den vermeintlich Schwächelosen, auch wenn das erst für ihn nicht erkennbar wird.

(Bild: Amira als Köder, angekettet vom Assassinen)

Unabhängig über welches Medium man Rollenspiel miteinander betreibt (Pen&Paper, Live oder via Computer) sind zwei Dinge unverzichtbar: Eine gemeinsame Verständigung über das Setting und die Regeln. Kann hier keine Übereinstimmung erzielt werden, macht das Rollenspiel miteinander keinen Sinn. Ich will das an einem Beispiel verdeutlichen:

VERSTÄNDIGUNG als Grundlage von Rollenspiel

Nehmen wir an, wir bewegen uns auf einer BTB Sim, die goreanisches Rollenspiel nach John Norman betreibt. Neben der passenden Gestaltung des Avatars, der Auswahl der zum Gor-Setting passenden Waffen ist vor allem die Wahl des Chars entscheidend für spätere Spielzüge. Als kastenloser Outllaw ist es zum Beispiel sinnfrei das Amt des Regenten anstreben zu wollen. Als geborene Sklavin ist die Wahrscheinlichkeit ebenso gering einmal Tatrix zu werden. Gehe ich weit über die meiner dem Setting entspringenden Begrenzungen meiner Rolle hinaus, ist mit Gegenwind der anderen Spieler zu rechnen. Spiele ich offensiv-aggressiv,  mehrt sich die Zahl meiner Feindschaften.Wenn wir beim Beispiel Gor bleiben, ist ein Frauenchar keine gute Wahl um Machtpositionen erkämpfen zu wollen. Es sei denn, man nimmt Versklavung oder Tod billigend in Kauf.

Wenn angefangen wird, über das BTB anderer Spieler zu diskutieren, zeigt das meiner Meinung nach schon, dass man im Prinzip über kein gemeinsames Setting verfügt oder nicht bereit ist, die Sicht anderer Spieler auf das Setting zu akzeptieren. Divergierende Sichtweisen sind ein klarer Hinweis darauf, dass gemeinsames Rollenspiel überhaupt nicht möglich ist – es sei denn man findet Konsens darüber.

Beispiel: Eine Spielerin spielt eine hochkastige Freie des Heimsteins, die ein Amt anstrebt. Sie läuft unverschleiert herum, unterhält öffentlich mehrere Verhältnisse und legt sich mit jedem Bürger an, der ihr vor die verbale Flinte kommt. Was passiert?

a) milde Version: Sie ist eines Amtes unwürdig und kommt nicht in Betracht. Über ihren Lebenswandel sieht man ansonsten hinweg.

b) Sie verärgert den Falschen und landet über zwar nicht legale, aber gor-traditionelle Machenschaften im Kragen oder zumindest im Kennel.

c) Sie verärgert zwar alle, besticht aber die Richtigen, gelangt ins Amt, aber mit aller Voraussicht nach ist die Dauer überschaubar, weil jemand sie aus dem Weg räumt.

(…. die Reihe lässt sich beliebig weiterführen.)

(Bild: Verhandlungen zwischen Gar und Amira)

Alles ist scheinbar möglich. Und hier komme ich an den Punkt, an dem ich sage – alles ist möglich, solange die am Spiel beteiligten Spieler einverstanden sind. Das Setting ist so weit oder so eng wie der Rahmen, in dem wir uns verständigen können.

Entscheidungsfindung im RP (die Combat -Würfel – Konsens Frage…)

Ich bin nicht über SL-Gor zum Rollenspiel gekommen und habe mich monatelang in Rollenspielwelten bewegt, in denen es keinen Combat im Sinne eines Meter-Kampfes gibt. Was dort eindeutig ausgeprägter ist, ist das Gefühl dafür, dass man dem anderen Spieler kein Spiel aufzwingen kann, auch wenn es – egal in welchem Setting, ob mit Meter oder ohne – Leute gibt, die eine Neigung zum Force-RP haben und gerne mal den Godmode ausspielen, der nun wirklich jedes Setting sprengt.

Kämpfen kann man natürlich trotzdem. Und wenn man Combat ablehnt und trotzdem eine Art Entscheidungsfindung sucht, bieten sich zum Beispiel Rollenspielwürfel an. Beim Rollenspielwürfel gefällt mir, dass die „Ich schieß euch alle ab, denn ich will um jeden Preis gewinnen!-Fraktion!“ sofort das Interesse verliert. Man muss aber der Ehrlichkeit sagen, dass man hier zumindest OOC-Konsens über die Würfelquote erzielen muss. So wären bei Krieger VS Krieger 50 zu 50 sicher gerecht, aber bei Krieger VS Frau ganz sicher nicht passend.

Womit wir wieder bei meinem Lieblinsthema, dem Konsens wären…

Am angenehmsten waren für mich immer die Rollenspiele, bei denen man auf der OOC Ebene miteinander und nicht gegeneinander spielt. Da kann ein Kampf mit Niederlage sehr schön sein, ganz ohne Meter und Würfel, einfach nur emotet. Das erfordert aber Fingerspitzengefühl und keine Sieger-Mentalität. Wer um jeden Preis siegen will, wird schnell merken, dass andere keine Lust haben die Kulisse für seinen Alleingang zu stellen.

Was Force-RP ist

Force RP ist Rollenspiel, egal ob rein emotet oder per Combat-Meter ausgeführt, das dem anderen keine Möglichkeit gibt zu reagieren, auszuweichen oder sich zu entziehen. Beispiel:

/me tritt mit atemberaubender Geschwindigkeit vor und zieht XY das Messer durch das weiche Fleisch seiner Kehle, Blut sprudelt heraus

Klares Force. Korrekt und ohne Force wäre:

/me tritt mit atemberaubernder Geschwindigkeit vor, die Klinge seines Messers blitzt in der Sonne auf, wähend er es vorbewegt um XY die Kehle durchzuschneiden

Hier kann XY nun reagieren, zum Gegenschlag ansetzen oder wegrennen…Es gibt viele Möglichkeiten.

Nun zu meiner Ergänzung, die meine konsens-geprägte Sicht auf RP, widerspiegelt, aber möglicherweise nicht allgemeingültig ist:

Unabgesprochene Großplots, die das Spiel für alle Beteiligten verändern und beeinflussen, sind meiner Meinung nach auch Force-RP.

Beispiel: Zwei Städte steigen miteinander in einen Krieg ein, ohne die Vorbereitungen dazu ausreichend ausgespielt zu haben. Manche Spieler der Städte sind nicht eingebunden worden, werden aber im Verlauf der Kriegshandlungen natürlich mitleiden unter Kämpfen, Not und Belagerung. Sie hatten keine Wahl. Die einzige Möglichkeit einem Großplot auszuweichen wäre eine andere Sim aufzusuchen für diese Zeit. Aber innerhalb des Gor-Settings wäre es zweifelhaft, denn welcher Bürger verlässt seinen Heimstein?

Bei solchen Großplots ist viel Fingerspitzengefühl gefragt und ich glaube nicht, dass man hier ohne OOC Konsens im Vorfeld auskommt. Vor allem dann, wenn einige ihre Rolle als gefährdet empfinden.

Was GODMODE ist….

Entgegen landläufiger Meinungen ist Godmode etwas, das unabhängig vom Setting oder einem gültigen Combat-Meter auskommt.

Godmode kann zum Beispiel so aussehen:

/me steht mit dem Rücken an der Wand und zieht aus ihrer (nicht vorhandenen Tasche) plötzlich eine riesige Zauberaxt, mit der all ihrer Gegner in Glitzerstaub verwandelt werden

Godmode ist zum Beispiel auch, wenn plötzlich GM-Waffen aus der Tasche gezogen werden, wie es einem gerade in den Kram passt.

Godmode ist zum Beispiel auch, wenn man plötzlich Verbündete zum Combat herteleportiert, weil der Kampf verloren scheint.

Rollenspiel ohne Combat-Meter ist nicht automatisch Godmode, im Gegenteil.  Meiner Meinung nach wird Godmodden dadurch auch nicht begünstigt. Godmode entsteht häufig dort, wo kein Konsens über den RP-Verlauf erzielt werden kann und es den beteiligten Spielern ums Gewinnen geht.

Für mich fällt es zum Beispiel auch unter Godmode, wenn ich mit 20 Combat-Spielern eine Sim überfalle, auf der sich fünf nicht-kämpfende Spieler befinden.

Godmode ist für mich auch, wenn man völlig unrealistisch aus einer Gefangenensituation entkommt. (Collar ausgezogen, Kleidung hervorgezaubert, Kette durchgenagt etc.)

Godmode verwenden in der Regel nur Leute, die sich der Ansicht verschrieben haben, dass sie ein RP nicht stoppen würden. (im Sinne von: Ich spiele alles mit. In Wirklichkeit meinen sie aber: Mach was du willst, ich gewinne sowieso!)

Godmode heißt im Grunde nur, dass ich dem anderen keine Chance geben will, das Spiel zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

(Bild: Amira, Danika und Sam im Gespräch mit dem Musiker am Brunnen von Lydius, der Tag nach dem Sturm auf die Stadt)

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Comments
5 Responses to “Grundlagen des Rollenspiels”
  1. Unfrei sagt:

    Das Problem beim ablehnen von Combat ist, dass es nach meiner Erfahrung immer nur von Spielern abgelehnt wird, die kein Combat beherrschen.

    Etwas nicht zu können ist für mich kein Ausschlusskriterium, für manchen anderen schon.

    Wenn sie es dann gelernt haben Combat zu spielen, finden sie es plötzlich ganz toll, habe ich oft erleben dürfen.

    Es gibt Leute mit denen kann man und es gibt Leute mit denen kann man nicht und da ist es egal ob sie RP Kampf, Würfelkampf oder Meterkampf machen, denn Fairness hängt nicht vom Kampfmodus ab sondern vom Spieler.

  2. Unfrei sagt:

    Denke schon, ja.

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