Heißblut und Heimweh

Aus den Aufzeichnungen der Lady Amira con Lydius

Tag 2, Oase der vier Palmen

Die Hitze ist wirklich unerträglich. Die Heilerstube war heute leer, so dass ich mich unter Schmerzen anzog um mir die Oase anzusehen. Die paar Schritte können nur gut sein und ich bin dafür, nach einem solchen Erlebnis möglichst schnell wieder in den Alltag einzutauche. Zugegeben ist das in einer so exotischen Umgebung, wo man den ganzen Tag das Geschrei der Händler aus der Markthalle hört, nur sehr schwer möglich. Ich habe großes Heimweh nach Lydius. Obwohl der Service der Sklavinnen in der Oase gut ist. Man muss nur davon absehen, dass sie ständig halbnackt sind und vermutlich nicht nur wegen der Temperaturen.

Immerhin für Jessa, die Bäckerin, war der Abend gestern ertragreich, wie ich hoffe. Da ich mir zwar die zweifelsohne großartige Bibliothek der Oase  ansehen konnte, die allenfalls von der in Ar übertroffen wird, aber kein Angehöriger der Kaste der Schriftgelehrten aufzutreiben war, begleitete ich Jessa zu „ihrem“ Braumeister Faramir. Ich bin ja kein Freund von langhaarigen Männern, die auch noch Met trinken, aber gut – mir muss er ja nicht gefallen.

Da Jessa in seiner Anwesenheit irgendwie die Sprache wegblieb, habe ich ihm ein wenig auf den Zahn gefühlt. Schließlich wäre es für Lydius kein hinnehmbarer Verlust wenn wir die Mutter der Kriegerknöpfe verlören oder diese gar ihre Ehre an einen dahergelaufenen langhaarigen Lump, der ihr schöne Augen macht.

Auf meine Fragen reagierte er zunächst mit spöttischer Arroganz, dann mit Zorn, so dass ich mich dazu entschloss, ihn gänzlich aus der Reserve zu locken. Im Hinblick auf den Ausflug zum Zoo, den er mit der Bäckerin unternehmen wollte, sollte ihm schließlich klar sein, dass Jessa kein heimsteinfremdes Freiwild war, sondern eine ehrbare Frau. Kurzum, im Aufstehen begriffen, gab ich ihm zu verstehen, dass ich ihm IM FALLE ehrlosen Verhaltens einen Schwarzen zwecks Kastration auf den Leib hetzen würde. Meiner Meinung nach habe ich damit nur meiner Fürsorgepflicht für eine Heimsteinbürgerin entsprochen, er sah es natürlich als Beleidigung an. Gut, ein Braumeister hat eben keinen Sinn für sprachliche Feinheiten. Dabei hat er überhaupt nichts zu befürchten, solange er sich tadellos benimmt. Seine Reaktion sprach meiner Meinung nach nicht unbedingt für ein blütenreines Gewissen, er stand nämlich auf und drohte mir. Zum Reagieren war ich aber zu müde und außerdem war ich schon fast an der Treppe Richtung Herbergszimmer. Zeit zu schlafen. Meine Schulter schmerzt.

Jessa. Dazu muss ich noch etwas sagen. Sie hat mich tatsächlich erkannt! Dennoch bin ich in ihrem großen Herzen weiterhin und rechtmäßig Lady Amira aus der Kaste der Schriftgelehrten, Bürgerin von Lydius und Präfektin des Palastes. Bei so viel Loyalität ist es das mindeste, dass ich ihre Ehre notfalls unter Einsatz meiner körperlichen Unversehrtheit vor diesem Braumeister schütze.

Heil Lydius!

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