Puppenspieler

Sklaven am Rande des Nervenzusammenbruchs, ein Hausherr, der sich genervt von der Schwägerin in sein Büro ins Sanatorium zurückzog und Gäste, die von Szenen peinlich berührt Forfax Manor frühzeitig verlassen – Tante Carlotta hatte mit ihrem ätzenden Sarkasmus ganze Arbeit geleistet, so dass sie sich einen freien Abend gönnte – im Privatcottage – um sich ihrer künstlerischen Arbeit zu widmen und ein paar Landschaftsbilder zu skizzieren.

Zuweilen reute es sie selbst binnen weniger Minuten die Menschen mir ihrer Art vor den Kopf zu stoßen, andererseits hielt die ihr ganz eigene und sehr ausgeprägte Überheblichkeit die Verhaltenweisen aufrecht, die sie sich schon als Kind antrainiert hatte um die Kluft zwischen Altersgenossen und ihr nicht nur materiell, sondern auch im sozialen Bereich zu manifestieren. Wenn schon anders, dann richtig anders.

Nur wenn Carlotta allein war, konnte man erahnen, dass sie eine Frau war und kein Stück Granit, an dem leichtsinnige Seefahrer ein kaltes, nasses Grab finden. An diesem Abend stand sie mit offenem roten Haar und einem locker geschnürten weißen Mieder in weißen Wollstrümpfen und Pantoffeln vor der Staffelei und versuchte die Lichteffekte der Wellen mit ihrem Pinsel einzufangen. Im Schein des Kaminfeuers sah sie fast zerbrechlich aus, eine Assoziation, die man, wenn man ihr in der Öffentlichkeit begegnete, wohl eher nicht haben würde. Maria Callas klagte maiglöckchenzart „Casta Diva“ während Carlotta vertieft in ihre Arbeit der Tür den Rücken zudrehte.

Zu ungefähr dieser Zeit machte sich Sol widerwillig auf den Weg ins Cottage um Colettes Bitte zu entsprechen und mit seiner Schwägerin abzuklären, ob es auf dem Maskenball ein Dinner oder eher ein Buffet geben sollte. Da er seine Schwägerin kaum als Frau wahrnahm, betrat er forsch und mit Hilfe des eigenen Schlüssels das Cottage und überraschte sie, spärlich von sehr zarter Spitze und Satinbändern bekleidet, beim Malen.

Nach dem obligatorischen Wutanfall ihrerseits konnte er sein Anliegen vortragen und dann geschah es. Carlotta wollte zügig an ihm vorbeigehen, rutschte auf der zuvor heruntergefallenen Farbpalette aus und er griff reflexartig zu um sie zu halten. Und da floss auf einmal die Spannung, die sich tagelang zwischen ihnen aufgebaut hatte, hin und her, wie ein elektrischer Impuls und bescherte ihm eine Erektion und ihr einen beschleunigten Atemrhythmus und der tagelang von Carlotta genervte Hausherr warf die zarte Porzellanpuppe mitsamt Spitzenmieder und Pantöffelchen auf die Couch und fiel über sie her, dass ihr Hören, Sehen und vor allem Denken verging.

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