Glaubwürdigkeit

Heute mal völlig OOC, weil mir das in dieser Woche mehrfach im Kopf herumgegangen ist:

Das Thema Rollenwahl scheint mir für viele ein Hauptproblem zu sein. Deshalb spielen einige sich einfach selbst. Das ist aber nur auf den ersten Blick einfach, auf den zweiten Blick sind einige Probleme damit verknüpft. So bezieht man zum Beispiel Beleidigungen schnell auf sich und verwechselt dann IC-Gemeinheiten mit OOC-Differenzen. Was wiederum zur Folge hat, dass OOC Differenzen tatsächlich entstehen.

Oder man kommt gestresst von der Arbeit und übernimmt den Stress gleich mit ins Spiel, weil es ja zwischen Character im RP und Person im Realen Leben so gut wie keinen Unterschied gibt – emotional betrachtet.

Aber auch die falsche Rollenwahl kann Stress verursachen. Und zwar nicht nur bei einem selbst, sondern auch bei den Mitspielern.

Daher mal eine grobe Gedankensammlung zu dem Thema Glaubwürdigkeit eines Characters.

Spiele glaubhaft…

Es fällt mir derzeit schwer mich auf einen Character festzulegen und es macht mir irre viel Spaß zu wechseln, und zwar so, dass der Character jeweils zu meiner Laune passt. Bisher war das problemlos möglich, auch wenn es zu Anfang neue Spieler irritiert hat, dass mein Name auf dem Radar nicht auch bedeutet, dass gerade Miss Nea da ist. Genausogut  kann es Colette sein, die man antrifft, denn ich spiele mit dem gleichen Avatar mehrere Charactere. Ich bin einfach schizophren genug. 😉

Es versteht sich von selbst, dass die sich rein äußerlich DEUTLICH unterscheiden und ich auch einen Roleplay-Titler bzw. den passenden Gruppentag trage. Und spätenstens nach dem ersten Emote sollte eh klar sein, wer gerade agiert.

Mag sein, dass manche das blöd finden – ich traf auch schon Leute, die der Meinung waren man spiele dann keinen Charakter richtig, weil sowas keiner könne. Und dann gibt es da ja noch die BDSM-Matadore, die ohnehin an die Eindimensionalität des Menschen glauben und nichtmal das Prinzip Rollenspiel akzeptieren können, weil sie zum Spielen ja viel zu real und ernsthaft sind.

Naja. Ich bin anderer Ansicht.

Ich möchte auch gleich mal das Gegenbeispiel anführen. Es gibt nämlich Leute, die nichtmal EINE Rolle glaubhaft spielen können. Und zu einem glaubhaften Char gehören für mich drei Dinge:

1. eine der Rolle angemessene Optik

Beispiele: Spiele ich einen wohlhabenden Großgrundbesitzer in den amerikanischen Südstaaten passt kein Latexanzug in rot und schwarz. Spiele ich eine Adlige, trage ich keine Nuttenfummel in schrillen Farben, die gerade so die untere Arschfalte bedecken.

2. ein Mindestmaß an Hintergrundwissen für die Rolle

Beispiele: Ich kann schlecht einen Bonvivant spielen, wenn ich den Unterschied zwischen einem Bordaux und einem Chianti nicht kenne oder Jakobsmuscheln für Kalbfleisch halte. Wenn ich jemanden aus einem andere Kulturkreis spiele, muss ich ein bißchen Ahnung davon haben oder mich vorher etwas einlesen.

3. ein passender Wortschatz und ein angepasster Sprachgebrauch

Beispiel: Ich gebe einen gebildeten älteren Herren und werfe dann mit Jugendslang durch die Gegend. Oder ich spiele einen fiesen Zuhälter und hab dann Hemmungen die wesentlichen Dinge beim Namen zu nennen. Es ist ist hierbei völlig uninteressant ob du hinter den Tasten ein schüchterner Typ bist. Es hängt alles davon ab, ob die Rolle schüchtern angelegt ist oder du dich für einen Draufgänger entschieden hast. Ein verklemmter, schweigender Draufgänger ist kein Draufgänger. Ein Prolet, der sich gewählt ausdrückt, ist kein Prolet. Ein Großgrundbesitzer, der spricht wie ein Ghettokind mit Migrationshintergrund, ist unglaubwürdig.

Die weitaus interessantere Frage ist aber, wie man als Mitspieler auf einen Spieler reagieren soll, der seine Rolle nicht glaubhaft spielt. Ich gebe zu, ich finde das schwierig und es stört meine persönliche Illusion im Spiel. Es fühlt sich ungefähr so an, als würde jemand plötzlich die Nadel über die Schallplatte ziehen und den Song ruinieren. Einerseits bin ich versucht zu sagen, dass ich mir nicht jeden Mist geben muss. Andererseits hat so mancher sich im Rollenspiel schon gesteigert und ist in seine Rolle hinein gewachsen.

Ich bin nach wie vor anfängerfreundlich was Rollenspiel angeht. Aber zumindest der Part mit der passenden Kleidung kann so schwer ja nicht sein.

—-

Weinkeller

Wir haben jetzt einen Weinkeller auf Forfax Manor. Bisher haben wir das Personal ja nur fiktiv in den Keller geschickt um eine Flasche Wein zu holen, aber jetzt gibt es den Keller auch. Zum Weintrinken, besoffen in der Ecke hocken, für Vier-Augen-Gespräche, konspirative Zusammenkünfte, kleine Romanzen und angekette Sünder.

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Comments
4 Responses to “Glaubwürdigkeit”
  1. bartinsl sagt:

    Großgrundbesitzer aus den Südstaaten… Bert lässt grüssen?!? Hehehe…

  2. Bacoo sagt:

    Wunderbar ausgeführt und auch mal schön von Dir zu hören, wie Du das siehst. Es ist nicht einfach seinen Spielcharakter immer so konsequent einzubringen, es ist eben auch stimmungsabhängig und Du sagst es: es kommt auf die Mitspieler an, die einem die Bälle zuwerfen und konstant ihre Rolle verkörpern. Wobei Du liebe Nea natürlich straight bist, was ich persönlich sehr geil finde, Du spielst wirklich ernsthaft und konsequent und erwartest zurecht auch etwas mehr Engagement. Das es teilweise und aufgrund mangelnder Phantasie oft genug in „bestellt einen Gin und trinkt“ Orgien endet und dadurch die (sexy) Sklaven zu Servicekräften degradiert werden oder auch mal Animierdamen, um den Gast bei Laune zu halten (was auch oft genug aus meiner Sicht zu linear und unkreativ endet) sei mal dahingestellt. Wir sollten da nur darauf achten, dass es hier trotz aller Pflichten und Regeln einen gewissen Freiraum gibt, Geschichten und Handlungen zu vertiefen, was ja teilweise schon sehr gut läuft ( der Doc weiss wovon er spricht). Da bewegst Du mit deinen Characteren und Sol mit seiner Kreativität so einiges und bist treibende Kraft. Jacky ist da ebenso eine verlässliche wie geistesgegenwärtige und spielfreudige Konstante (man merkt ich mag Sie …). Trotzdem stecken hinter den Charakteren eben Menschen und Bedürfnisse und manchmal eben auch Erwartungen. Da sollten wir die Bitter Candy Bar wieder mehr frequentieren, als Raum für das Zwischenmenschliche und als Verschnaufpause und kreative, stärkende Miteinander. Ich finde es entwickelt sich was unnderbares, weil eben ein treuer Kern da ist und sich hingibt.

    • neanarstrom sagt:

      Das mit den Servierorgien ist auch auf Gor immer das Problem für Sklaven. Ich denke es bleibt dann spannend, wenn sich alle Mühe geben. Und man muss auch mal den Mut haben, sich zurückzuziehen, wenn man grad eher unkreativ ist – z.B. wie du vorschlägst, in die Bar oder an einen Non-RP Ort. Abhängen im RP ist meiner Meinung nach sinnfrei, bestenfalls stört man aber dabei auch nicht.

      Schöner Kommentar übrigens, hat mich tierisch gefreut.

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