Episoden

Jagd

Interessiert blickte Miss Nea den Fremden an, vergewisserte sich „Sie sind also ein erfahrener Jäger?“ Der Mann bestätigte dies, vertagte die Entscheidung aber dann auf den nächsten Tag: „Es ist spät geworden, lassen Sie uns morgen über die Details sprechen – sobald ich mich mit dem Gelände vertraut gemacht habe – dann kann ich Ihnen auch sagen was es Sie kosten wird, wenn ich das Problem für Sie erledige“. Miss Nea nickte und schnippte kurz zu Luc runter, der auf dem Kissen zu ihren Füßen kniete. „Geh und bring den Herrn und sein Mädchen zum Gästehaus am See, Luc.“ Nachdenklich aber auch freudig erregt sah die den dreien hinterher, als sie den Salon verließen. Sie nahm noch einen Schluck vom Rotwein und nickte. Wenn es dem Jäger gelang, den Killer zu stellen, würde die Polizei wieder Ruhe geben und Ruhe war besser für’s Geschäft.

Sola

Sola kam pünktlich zum Dinner ins Haus und traf auf der Terasse einen dunkelhaarigen Fremden, der aufs Meer hinaussah. Erst nach einem kurzen Zögern näherte sie sich dem Mann und grüßte ihn freundlich, fand sie doch seine Statur und sein Gesicht irgendwie anziehend. Und neben ihm kniete auch kein Mädchen, so dass sie die Hoffnung hegte es mit einem sympathischen Zeitgenossen zu tun hatte, der sich keine Sklavinnen hielt wie in einem Historienfilm. Er erschien ihr dann auch im Gespräch recht harmlos und erwies sich als Mediziner und obendrein verheiratet, so dass sie schnell Vertrauen fasste. Geschickt lenkte er das Gespräch in eine Richtung, in der sie mehr über sich verriet, als sie vielleicht ahnte und verabschiedete sich dann rasch. Er würde noch Gelegenheit haben, den Fisch an Land zu ziehen. Drall und blond und offensichtlich ein leichtes Opfer – das würde auch seiner Frau gefallen.

Lidija

Den gleichen Mediziner hatte Lidija schon von einer anderen Seite kenngelernt und gab sich keinerlei Illusionen mehr hin, dass sie in naher Zukunft nach Hause kommen würde. Sie war mit der fremden Sprache nicht so vertraut, aber etwas wie „vom Regen in die Traufe“ kam ihr in den Sinn, als die Untersuchung vorbei war und die Tür der Zelle sich wieder schloss und sie erneut der Stille übergab. Es würde ihr nichts anderes übrig bleiben als mitzuspielen und ihr Leid nicht unnötig zu vergrößern, indem sie sich unkooperativ zeigte. Außerdem entsprach es ihrem Wesen sich auch in schwierigen Situationen anzupassen um das Beste daraus zu machen. Dennoch hoffte sie inständig, dass weitere Untersuchungen durch diesen Arzt und seine Gattin nicht notwendig sein würden. Ihr Körper schmerzte und die Demütigungen saßen tief.

Präsent aus Kyoto

Sol nahm den Briefumschlag entgegen, überflog die Notiz seines alten Freundes und entnahm den Schlüssel, der zu dem großen Metallkragen gehörte, der um Sayuris schmalen Hals fest verschlossen war. Sayuri überzeugte ihn nicht nur mit einem nahezu perfekten Englisch, sondern auch mit einem Körper, der schimmerte wie Porzellan. Unglaublich klein und zerbrechlich stand sie in der Halle und sah ihn an. Er nahm sie mit in den Salon, wo es wärmer war und unterzog sie einer ausgiebigen Begutachtung. Sie sei ein YingYang-Mädchen, so erzählte sie und dass sie auf beiden Seiten des Seils zuhause war. Sie war gut zu fesseln und sie fesselte gut. Das entlockte Sol ein Lächeln. So traurig es auch war, dass sein alter Freund Hato schwer erkrankt war, Sayuri war interessant und würde sicher eine Bereicherung sein. Vorerst allerdings – so beschloss er – würde sie den Gästen nicht zur Verfügung stehen. Schon gar nicht nach den neuesten Problemen, die Colette mit einem Gast und seiner Handykamera ereilt hatten.

im Bild: Lidija und der Arzt samt Gattin

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