Panem et circenses

Bei den Priesterkönigen! Was für einen gigantischen Bau haben die Baumeister Kasras auf einem nahegelegenen Waldstück vollendet. Leora legte beeindruckt die kleinen Hände auf die Brüstung, während neben ihr die unzähligen Ahs und Ohs der Ratsmitglieder und Besucher erklangen.

Leora, gerade erst wieder nach Kasra heimgekehrt, war überwältigt von der Größe und Pracht vor den Toren Kasras, die sie an ihre alte Heimat Ar erinnerte und Ar war für sie immer der Maßstab aller Dinge gewesen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals als Hauptmann Luc den Streitwagen bestieg und eine Runde drehte. Alle verrenkten sich den Kopf den kleinen Punkt in der Ferne der riesigen Rennbahn auszumachen, der dann in einer riesigen Staubwolke näherkam, vorbeizog an den Schaulustigen und die ganze Anlage noch gigantischer wirken ließ.

Bei den Priesterkönigen! Ihr Herr Dorian, glorreicher Sieger über Belnend,  würde begeistert sein, war Leoras erster Gedanke und dann war da wieder dieses Gefühl von Angst und Unbehagen in ihrem Bauch, das sie bereits empfunden hatte, nachdem sie in die Zitadelle zurückkehrte und ihren Herrn nicht wie meist am Schreibtisch in der Wachstube vorfand. Den ganzen Tag über war sie nicht aufgetaucht und als Hauptmann Luc sie am Abend zu sich rief und sie zum Verbleib ihres Herrn befragte, wurde ihr bewusst, dass etwas nicht stimmte.

Der Hauptmann sprach vom Risiko eines Attentats bei Männern in Machtpositionen und demonstrierte ihr die Arbeitsweise der Schwarzen Kaste um ihr zu zeigen, dass niemand, wirklich niemand, einen Attentäter daran hindern konnte seinen Auftrag zu erfüllen, nichtmal der stärkste aller Herren, also Dorian Belnendius.

Wenig später rief die Glocke von Kasra zur Ratsversammlung und Leora hoffte, dass spätestens jetzt ihr Herr auftauchen würde, hatte er doch noch nie eine wichtige Sitzung versäumt. Aber Dorian blieb fort. So oft Leora auch aufschaute, wenn die Tür ging, es war nicht ihr Herr, der mit wehendem roten Umhang und forschen Schrittes den Ratssaal betrat.

Als Herrin Jale, die Gefährtin von Dorian, sich unter Schluchzen von dem Spektakel auf der Rennbahn zurückzog, wich die Freude über das großartige Bauwerk wieder der Angst, die mit kalten Fingern nach ihr griff.

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