Character und Distanz

Manchmal passiert es uns, dass wir im RP etwas persönlich nehmen, obwohl es eigentlich der Rolle gilt. Dinge berühren unsere Grenzen, ärgern uns, lassen uns wütend werden oder auch verzweifeln. Mir ist es schon einige Male passiert, dass dies ungute Konsequenzen für mich hatte und einmal ist es sogar so weit gegangen, dass ich die Rolle vorerst sterben ließ. Eine dumme Kurzschlusshandlung, aber nichts desto trotz ein Symptom für einen Fehler, den ich beim Einstieg ins Gor-RP gemacht hatte und dieser Fehler hing mit dem gewählten Character zusammen.

Unerfahren mit Rollenspielen an sich, die eine gewisse Character-Konsistenz haben, stieg ich damals im Grunde zwar mit einem fertigen Entwurf ein, allerdings mit einem Entwurf der viel zu viel von meinem eigenen Charakter beinhaltete. Der Gedanke dahinter war der, dass ich so gut und gefühlvoll spielen kann und mich in dem was ich darstelle, auch auskenne. Das RP als „Kajira Nea – ehemals Schreiberin Amira con Ko-ro-ba“ war entsprechend intensiv und spannend – aber auch sehr anstregend, weil ich ständig an meine persönlichen Grenzen stieß was negative Empfindungen im RP anging. Was Nea widerfuhr, widerfuhr mir auch. Meine Rolle war zwar eine Rolle, aber eine, die viel zu nah an mir selbst dran war. Man kann sagen, ich spielte mich selbst in einem Gor-Setting und kam damit nicht immer zurecht. Ich fühlte mich diverse Male tief erniedrigt und vor allem kollidierte alles zunehmend mit meinem Gerechtigkeitsempfinden.

Als Nea gestorben war, konnte ich die Finger dennoch nicht lange vom RP lassen und erschuf Leora. Leora ist äußerlich und innerlich so weit wie nur irgendmöglich von mir entfernt und das im Grunde das Gegenteil von Nea. Mit Leora konnte ich nun plötzlich Sachen spielen, die mit Nea unmöglich gewesen wären oder mich zumindest tief mitgenommen hätten. Und diese Distanz empfinde ich bis heute als angenehm und entlastend.

Natürlich fühle ich mit Leora, aber ich bin nicht Leora. Und das ist es, was es so viel einfacher macht. Leoras Character ist anders angelegt, sie ist bestimmte Dinge gewohnt, vieles ist für sie bedeutungslos oder auch „normal“, weil sie so erzogen ist und es nicht besser weiß oder kennt.

Ich würde jedem, der einen neuen Character für’s RP anlegt, empfehlen, diesen möglichst weit vom eigenen RL-Charakter entfernt anzusiedeln. Eine ähnliche Empfehlung findet man im Blog SecondLifeRoleplay.

„The first thing I suggest would be to pick a look that is not like RL you in all aspects.  By this I mean choose a different hair color and a different look.  Make your character look like someone else.  This way, you won’t be seeing your RL looking avatar on the screen.  Mentally this will make a difference to you in disassociating yourself from your character.   A suggestion would be to get an alt.  More about alts here.

You also should play a character type that is completely opposite your RL self.  I remember meeting an angel one time and discussing religion over a drink at the bar.  Out Of Character (OOC) he told me he was an aetheist, which was a good laugh for us both after I told him I had actually been a seminarian.  In similar fashion, you should look to make your character’s personality completely opposite from RL you so you can disconnect from that character when you are not role playing.  This way, you can jump into this character to play and jump out of it when you are done.  This is the best way to get into character but not create that mental connection between RL you and RP you.“

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