Im Feldlager

Als Leora vom Vogelzwitschern geweckt wurde und die Augen öffnete, war es gerade noch rechtzeitig, damit sie Holz nachlegen konnte und das Lagerfeuer prasselnd brannte, als die ersten Krieger aus dem Zelten krochen. Ihre zweite Nacht im Feldlager vor Belnend, in das sie mit ihrem Herrn, dem Feldherrn von Kasra und den kasratischen Truppen gereist war, war ungemütlich und ungewohnt kühl gewesen und sie brauchte eine Weile um die Nacht abzuschütteln und ihr sonniges Gemüt wiederzufinden.

Sie dufte nicht zu ihrem Herrn in die Felle, hatte seit zwei Fingern seinem vertrauten Herzschlag nicht mehr gelauscht, sondern hatte statt dessen mit den anderen Mädchen, die für die Lagerarbeiten mitgereist waren, am Feuer geschlafen, unter freiem Himmel. Und dem feindlichen Himmel Belnends. Das letzte was sie am Abend zuvor gehört hatte, war das Geplapper der Mädchen, das Klirren von Schildern und Waffen, die in den Zelten in der Nähe der Feldbetten abgelegt wurden und das Prasseln des Feuers. Im Schein der drei Monde, die in dieser Nacht gespenstisch rot leuchteten, war sie schließlich eingeschlafen.

Ihr Herr schlief in dieser Nacht bei seiner Gefährtin, der ersten Heilerin von Kasra, die übellaunig ihr Zelt den Söldner aus Ar überlassen musste und im Heilerzelt nächtigen sollte. Seine Anwesenheit war sein Versöhnungsgeschenk an sie und so war Leora sich selbst, ihrer Angst und dem Heimweh überlassen.

Der Tag begann mit einer Überraschung, denn sie wurde mit der Aufsicht über ein gefangenes Mädchen betraut und allen Mädchen im Lager wurde der Verzehr von Fleisch verboten und ihre Breiration auf die Hälfte gekürzt. Entsprechend launig gingen alle miteinander um. Besonders Leora fiel es schwer, denn allein von Sklavenbrei leben zu müssen, war sie nicht mehr gewohnt.

Das fremde Mädchen erfüllte sie mit Misstrauen, war sie doch gleich mit einer Lüge aufgefallen und Leora hütete sich deshalb davor sie loszubinden. Lieber machte sie alle anfallenden Arbeiten am Lagerfeuer alleine und führte dem Ding den Wasserbecher bis an die Lippen. „Wenn sie entkommt, schneide ich dir die Haut vom Leib und lasse eine Fahne draus nähen“, hatte der Söldner aus Ar ihr gedroht.

Dann brachte sie Wasser und Nahrung zu den einfachen Kriegern, die mit dem Palisadenbau beschäftigt waren. Harte, körperliche Arbeit, die hungrig macht und übellaunig macht. Leora beeilte sich wieder zurück ins Lager zu kommen und räumte dort mit den anderen Mädchen die Zelte auf.  Zuletzt das prachtvolle Zelt des Ubars, Teibar con Kasra, in dessen Mitte ein großer, runder Tisch von der letzten Kriegerbesprechung zeugte, an der sicher auch ihr Herr teilgenommen hatte.

Leora strich sanft mit den Fingern über das Holz und seufzte. Wie lange würde der Krieg wohl andauern?

Ihre Gedanken wanderten zum Tag ihrer Ankunft zurück. Die prachtvolle „Kasra“ hatte am Hafen von Belnend angelegt und die vielen Krieger hatten die zarten Blumen, die dort wuchsen, zertreten und dann begonnen das Feldlager aufzubauen. Sklaven wurden kommandiert das Schiff zu entladen. Das Bild des Ubars, wie er im Gras stand, neben der Kasra, die still und sanft in den Wellen der Thassa lag, stieg wieder vor ihren Augen auf. Sobald sein Zelt aufgebaut war, hatten ihn die Krieger dorthin eskortiert und das weitere Vorgehen wurde besprochen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: