Süden

Nach dem Sprung in dem Fluss, auf der Flucht vor den Jägerinnen, die den Mann, der sie mit sich geschleppt hatte wie einen Ballen Stoff mit einem Pfeil in die Schulter getroffen hatten, war sie erschöpft und kraftlos an einem Ast treibend, in einer Flussbiegung in Ufernähe hängen geblieben und hatte sich in Panik das Ufer hochgekämpft, froh, dass kein Tier ihr irgendwelche Körperteile abgebissen  hatte.

Schmutzig, nass und voller Angst war sie dann durch den Wald gelaufen, es wurde Nacht und sie kletterte auf einen Baum, zitternd und halbsitzend verharrte sie dort bis es morgen wurde und die Sonne wieder wärmte. Es war viel wärmer als in Lydius. Sie vermutete, dass die lange Schiffsreise, die sie unter Deck verbracht hatte, sie Richtung Süden, vielleicht sehr weit Richtung Süden gebracht hatte.

Wie lange sie unter Deck gewesen waren, vermochte sie nicht einzuschätzen. Die stickige Luft, das fehlende Licht und der Hunger waren ihr aber in guter Erinnerung. Hunger war ihr ständiger Begleiter gewesen, seit der Fremde ihr am Hafen von Lydius den groben Sacke übergeworfen und sie aufs Schiff geschleppt hatte.

Den Namen des Entführers wusste sie bis zum heutigen Tag nicht. Warum auch? Was geht es die Ware an, wer sie stielt oder kauft? Nea spürte wie sich ihr Magen schmerzvoll zusammenkrampfte und lief weiter, wagte es nicht ein paar Beeren zu essen aus Angst sich zu vergiften mit Früchten, die sie nicht kannte.

Dann endlich lichtete sich die Wildnis und das Stadttor lockte sie. Sie schaute an sich herunter, sah den verkrusteten Matsch und die Schrammen und schlich sich Richtung Tor, wo der Rarius Net sie aufgriff, ihr Brot und ein Zuhause gab, nachdem er sie im Badehaus ausgiebig geprüft hatte.

Erleichtert rollte sie sich am Abend in dem einfachen Häuschen auf dem Fell zusammen und genoss das heimelige Gefühl, das nur ein schnarchender Mann einer Kajira vermitteln kann. Zufrieden strich sie über ihren gefüllten Bauch, genoss das warme Gefühl zwischen ihren Schenkeln, das er im Badehaus entfacht hatte  und schlief dann auch ein.

„Kasra“, so hieß die Stadt, hatte er gesagt – „Kasra am Fayheen“.

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